2013 wurde Avuba mit der Mission gegründet, das Bankkonto zu revolutionieren. Daraus wurde erstmal nichts und die App wurde Ende August 2015 wieder eingestellt.

Gründer und CEO Jonas Piela ließ sich allerdings ein Hintertürchen offen: Man habe etwas „Spannendes in der Pipeline“ hieß es im Juli 2015.

Nun meldet sich Avuba zurück und lässt die Katze aus dem Sack.

Im Interview mit dem Fintech Insider erklärt Jonas Piela Avubas neues Konzept und verrät, wie er die Fehler der Vergangenheit vermeiden möchte:

Herr Piela, Sie wagen mit Avuba einen Neustart. Was ist damals schiefgelaufen?

Jonas Piela: „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Heute wissen wir: Die Leute wollen ein gutes Produkt und das geht nur mit den richtigen Partnern.

Jonas Piela von Avuba im Interview mit dem Fintech Insider

Die Avuba-Gründer Oliver (l.) und Jonas.

Außerdem waren viele Kunden noch nicht für den totalen Wechsel bereit und wollten immer noch klassische Karten haben – was wir jetzt auch anbieten.“

Was ist der Unterschied zu Number26 (N26)?

„Der größte Unterschied liegt wohl im Selbstverständnis: Wir wollen keine Bank sein. N26 bietet ein kostenloses Konto an und verdient an der Überziehung oder anderen Finanzdienstleistungen. Damit verhält sich N26 wie eine klassische Bank. Wir wollen lieber wie eine App sein: Einfach in der Bedienung, sympathisch im Auftreten und immer in deiner Tasche.“

Was können Sie besser als N26?

„Besonders stolz sind wir auf unsere digitale Mastercard. Unseren Nutzern gefällt sie vor allem, weil sie direkt nach der Bestellung einsatzbereit ist. Zudem kann man sie nicht verlieren, weil sie sicher in der App hinterlegt ist. Im Ernstfall schützt ein monatliches Zahlungslimit und die Karte lässt sich per App sperren oder direkt ersetzen. Solch eine digitale Karte gibt es bei N26 nicht.

Außerdem kann man über Avuba auch Geld anfordern, was mit der N26-App nicht möglich ist.“

Jonas Piela von Avuba im Interview mit dem Fintech Insider

Avubas Digitale Mastercard

Kann ich unendlich viele digitale Karten erstellen?

„Nein, aktuell liegt das Limit bei zwei Karten pro Nutzer.“

Kann ich mit der „digitalen Karte“ auch an der Tankstelle oder im Supermarkt zahlen?

„Nein, leider nicht. Dafür bräuchte man die klassische Plastikkarte, die man bei uns auf Antrag auch bekommt. Mit dieser Plastikkarte kann man dann auch Geld abheben.“

Wie sieht ein Account bei Avuba technisch aus? Bekommt man eine Kontonummer?

„Ja, man erhält eine eigene Kontonummer und IBAN. Somit kann man über Avuba auch SEPA-Überweisungen durchführen.“

Ein interessantes Feature ist das Geldversenden per SMS. Wie läuft das im Detail ab?

„Der Geldsender verschickt über Avuba eine SMS an den Empfänger. Dazu braucht der Absender nur die Handynummer des Empfängers. Der Empfänger wird durch die SMS weitergeleitet und muss dann seine Kontonummer eingeben, an die das Geld gesendet werden soll.“

Um die Eingabe von IBAN und Co. kommt man also doch nicht herum?

„Auf Empfängerseite jedenfalls nicht. Der Vorteil ist allerdings, dass der Empfänger niemandem seine Kontodaten geben muss, um Geld zu erhalten.“

Was kostet das Geldversenden per SMS?

„Nichts. Wenn es es sich um ein SEPA-Konto handelt, kann man per SMS auch kostenlos Geld ins Ausland versenden.“

Wieso sollte jemand Avuba nutzen? Die SEPA-Überweisung ist ja auch kostenlos.

„Avuba ist in der Regel schneller als eine SEPA-Überweisung. Wenn beide Seiten ein Avuba-Konto haben, dann erfolgt die Transaktion sogar nahezu in Echtzeit.“

Gibt es ein Limit, wieviel man per SMS versenden kann?

„Das Limit liegt bei 5.000 Euro pro Transaktion und bei 60.000 Euro im Jahr.“

Schauen wir mal hinter die Kulissen bei Avuba. Wie viele Mitarbeiter haben sie?

Bei uns arbeiten in Berlin insgesamt sieben Leute aus sechs Nationen. Wir haben zudem Partner in England, Frankreich und Deutschland.

Avuba Team - Interview mit Jonas Piela

Das Avuba-Team

Sie arbeiten mit einer Partnerbank aus England zusammen. Ändert sich etwas für Sie durch den Brexit?

„Wir sind da ganz entspannt. Es gibt ja eine Umsetzungsfrist von 2 Jahren. Da haben wir mehr als genug Zeit, um auf alles zu reagieren. Außerdem glaube ich, dass die Finanzindustrie und die Interessen zu groß sind und man deshalb die Geschäftsbeziehungen zwischen England und Europa nicht einfach kappen wird.“

Wie sehen Avubas Pläne aus? Wollen Sie in Zukunft eine Banklizenz erwerben?

„Nur, wenn es Sinn macht und unser Produkt verbessert. Noch sehen wir da keine Notwendigkeit.“

Bisher geht es ums Bezahlen und Geld senden. Sollen noch neue Dienste hinzukommen wie Kontoführung, Geldanlage oder Versicherung?

„Wir wollen kein Supermarkt für Geld werden, sondern uns auf unser Kernprodukt fokussieren. Unsere Nutzer sind besonders begeistert, dass sie ihren Freunden schnell und einfach Geld senden können. Auch in Zukunft wollen wir in weitere soziale Features investieren, die Finanzen im Kontext von Freunden und Familie einfacher und sympathischer machen.“

Gefühlt jede Woche geht ein neues Fintech an den Start. Wie wollen Sie sich da durchsetzen?

„Unser Ziel ist, dass Banking Spaß machen soll. Zu viele Produkte erzeugen immer noch Frust beim Kunden – wir wollen das ändern.

Außerdem sind wir neben N26 die Einzigen, die klassische Karten und SEPA-Überweisungen in einer App verbunden haben – das ist nicht trivial, sondern entscheidend, wie wir aus unserer Vergangenheit gelernt haben. Ich denke, damit sind wir technisch vielen Fintechs deutlich voraus.“

Vielen Dank für das Gespräch.