Nur noch eben die Karte in die Nähe des Lesegerätes halten und zack, die Transaktion ist abgeschlossen. Dieses Szenario ist in vielen Ländern der Welt noch nicht denkbar, doch in einigen Nationen spielen Scheine und Münzen eine immer geringere Rolle. Eine „Cashless Society“ scheint dort in greifbarer Nähe – in anderen Ländern ist der bargeldlose Zahlungsverkehr noch Wunschdenken.

Doch welches Land zahlt am wenigsten bar? Und wo hängen die Menschen noch an Schein und Münze? Eine neue Studie gibt Antworten.

Die Kurzzeitkreditplattform vexcash hat den Wert des im Umlauf befindlichen Bargeldes von 20 Währungen ermittelt. Zudem hat sie den Anteil des Bargeldes an der Wirtschaftsleistung der jeweiligen Volkswirtschaft festgehalten, um so herauszufinden, wo der bargeldlose Zahlungsverkehr am weitesten fortgeschritten ist.

In Schweden liegen bargeldlose Zahlungen ganz vorne

Angeführt wird die Liste von der „Schwedischen Krone“. In dem nordischen Land macht das Bargeld lediglich 1,24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Dicht darauf folgt die „Norwegische Krone“ mit 1,38 Prozent und die „Indische Rupie“ mit 1,71 Prozent.

Am häufigsten wird der „Südafrikanische Rand“ benutzt, mit dem in Südafrika, Lesotho und Namibia gezahlt wird. Rund 30 Prozent macht das Bargeld dort am BIP aus.

Den europäischen Ländern wir ein Bargeldanteil von rund zehn Prozent zugeschrieben, obwohl es innerhalb der 28 Mitgliedsstaaten große Unterschiede gibt. Länder wie die Niederlande haben einen geringeren Bargeldanteil als beispielsweise Deutschland.Bargeldloser Zahlungsverkehr: Diese Länder zahlen (fast) bargedlos

Bargeldloser Zahlungsverkehr: Diese Länder zahlen (fast) bargedlos

Screenshots von der Seite vexcash

Der deutsche Fall: Cash bleibt King?

Das altbekannte Verhältnis der Deutschen zum Bargeld bleibt konstant: Deutsche wickeln ihre Transaktionen häufiger mit Bargeld ab, als der europäische Durchschnitt und sie tragen in der Regel auch öfter und mehr Bargeld mit sich. Insgesamt 84 Prozent der Deutschen geben an, nie vollständig auf Bargeld verzichten zu wollen, zeigt eine Studie der ING-DiBa. Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist in Deutschland noch ein Wunschtraum.

Dabei wird das Bargeld am Häufigsten in Situationen wie beim Mittagessen oder für öffentliche Verkehrsmittel verwendet. An dieser Stelle kann das weniger gut entwickelte System bargeldloser Zahlungsmöglichkeiten ein Grund für die Verwendung von Bargeld sein. In der Gastronomie können häufig erst Beträge ab 20 Euro per Karte bezahlt werden und auch im Bus gestalten sich Kartenzahlungen als schwierig. Regelmäßige Kosten, wie die Wohnungsmiete oder Stromrechnungen, werden eher selten mit Bargeld gezahlt.

Wie im europaweiten Trend, geht aber auch in Deutschland die Bargeldnutzung zurück. Knapp über ein Drittel der Befragten gaben an, weniger Bargeld als noch ein Jahr zuvor verwendet zu haben. Diese Wandlung kann allerdings auch in Polen, Rumänien und Italien beobachtet werden.

Skepsis gegenüber dem bargeldlosen Zahlungsverkehr

Zahlungen per Überweisung oder Karte bieten nicht die Anonymität, die Bargeld bieten kann. Das ist ein wichtiger Aspekt für die Bargeldnutzung der Deutschen und wir auch von den europäischen Nachbarn hoch geschätzt. Die Nichtverfolgbarkeit von Bargeld steht über dem Sicherheitsrisiko. Denn: Wer Bargeld verliert, wird es vermutlich nie wiedersehen oder ist auf eine ehrliche Haut angewiesen. Bei bargeldlosen Zahlungen gibt es oft eine technische Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen oder zumindest größere Schäden zu vermeiden (z.B. Karten sperren lassen).

Dieses Sicherheitsrisiko wird jedoch kaum als relevant betrachtet: Über 77 Prozent der Deutschen sehen die Verwendung von Bargeld als sicher an, während bargeldlose Zahlungen nur zu 48 Prozent als sicher gelten. Die Angst vor einem Eingriff in ihre digitalen Finanzen, ist scheinbar größer als der Verlust von Scheinen. Eine bargeldlose Gesellschaft erscheint vielen Deutschen nicht als erstrebenswert. Auch einer der Gründe, warum viele Fintechs mit ihren Bezahllösungen gescheitert sind. Deshalb steigen immer mehr Fintechs ins B2B-Geschäft ein.

Im europaweiten Vergleich haben am ehesten die Türken, Italiener und Polen keine Lust mehr auf Münzen und Scheine. Dort würden rund 20 Prozent am liebsten immer ohne Bargeld zahlen, wenn sie könnten.

Ohne Technik überleben

Durch den Wegfall von Bargeld schwindet nicht nur die Anonymität – das Preisgeben persönlicher Daten und Cyberkriminalität gehören ebenfalls zu den Risiken der Digitalisierung des Finanzmarktes. Und: Wer hauptsächlich auf Technologie setzt, wird bei einem digitalen Totalausfall ins Schwitzen kommen.

Deshalb hat vexcash auch untersucht, wie lange Volkswirtschaften handlungsfähig sein würden, wenn ihnen nur Bargeld zur Verfügung stünde. Skandinavische Länder wie Schweden und Norwegen würden gerade einmal fünf Tage mit ihrem Bargeld auskommen. Südafrika hingegen führt die Liste von hinten an – dort würde die Volkswirtschaft 106 Tage „überleben“.

Bargeldloser Zahlungsverkehr: Diese Länder zahlen (fast) bargedlos

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