Blockchain ja, aber wie?

So könnte man die Erkenntnis einer neuen Umfrage innerhalb der deutschen Wirtschaft zum Thema Blockchain zusammenfassen.

So ist das Interesse an der Technologie zwar groß, doch klare Anwendungsfälle können nur die Wenigsten benennen. Das ergab die Potentialanalyse des europäischen IT-Konzerns Sopra Steria Consulting.

Sie zeigt, dass Unternehmen großes Potential in der Verwendung der Blockchain-Technologie sehen und sie ernst nehmen. Denn zurzeit prüfen fast die Hälfte (47 Prozent) der befragten Unternehmen die Anwendung von Blockchain. Bereits 21 Prozent arbeiten an Prototypen.

Ihre größte Motivation: Keiner möchte den Anschluss verpassen, falls die Blockchain tatsächlich ein ähnliches Potential für Transaktionen haben sollte, wie das Internet zum Austausch von Informationen.

Bekanntheit der Blockchain ist groß

Bei der Befragung gaben 79 Prozent der Führungskräfte an, dass ihnen die Technologie bekannt sei. Rund die Hälfte (48 Prozent) wissen, wie die Blockchain funktioniert und unter den Kennern haben bereits 39 Prozent mit einer entsprechenden Plattform gearbeitet.

Allerdings gibt es eine hohe Unsicherheit im Bezug auf Anwendungsfälle: Lediglich 12 Prozent aller Befragten, wissen genau, an welcher Stelle Blockchain sinnvoll eingesetzt werden kann und an welcher nicht.

Dabei ist das Wissen vor allem im verarbeitenden Gewerbe (93 Prozent) und bei Finanzdienstleistern (79 Prozent) vorhanden. Der Wissensstand in der öffentlichen Verwaltung hinkt mit 53 Prozent hinterher.

# Lesen Sie auch: Bargeldloser Zahlungsverkehr: Diese Länder zahlen (fast) nur digital

Fehlende Informationen für praktische Umsetzung

Viele Unternehmen wollen die Technologie für schnellere Zahlungs- und Kaufabwicklungen nutzen. Außerdem spielt die Beschleunigung und Sicherheit des Umganges mit Dokumenten, Identitäten und Sachwerten eine entscheidene Rolle.

Doch lediglich sieben Prozent der Befragten halten die Technologie derzeit für marktreif. Bis zur Umsetzung müssen noch weitere Informationen gesammelt und mögliche Anwendungsbereiche geprüft werden.

Vor allem fehlt den Unternehmen das Gespühr, ob Blockchain die richtige Technologie für sie ist. Viele wollen sich durch die Blockchain einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, doch jede zweite befragte Fach- und Führungskraft sieht in der Technologie auch die Chance auf komplett neue Geschäftsmodelle. Jeder fünfte hat bisher allerdings noch keine sinnvolle Einsatzmöglichkeit gefunden. Diese Lücke ist auch eine Chance für viele B2B-Fintechs, die etablierten Unternehmen beim Einsatz der Blockchain helfen können.

Unwissen blockiert Implementierung

Wissenslücken hemmen Unternehmer bisher die Blockchain-Technologie zu verwenden. Doch wer Zweifel an Sicherheit oder hohen Energiekosten hat, ist meistens schlecht informiert, meint Mustafa Cavus, Blockchain-Experte von Sopra Steria Consulting. „Viele der Argumente treffen nicht auf alle Plattformen und Anwendungen zu. Mit steigendem Know-how, praktischen Erfahrungen und mehr rechtlicher Sicherheit ist davon auszugehen, dass künftig mehr Unternehmen ihre Vorbehalte aufgeben“, sagt er.

Trotz fehlender Erfahrungswerte und fehlender technischer sowie rechtlicher Standards: 61 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sind überzeugt, dass die Blockchain-Technologie ihre Branche in den kommenden fünf Jahren verändern wird.

Unter den aktivsten Unternehmen führt laut einer Studie von Juniper Research das IT- und Beratungsunternehmen IBM das Ranking der Blockain-Implementierer an. Auf Platz zwei folgt Microsoft und auf Platz drei Accenture.

# Lesen Sie auch: Warum Blockchain noch kein Massenphänomen ist

Über die Studie und Infografik

Für die YouGov-Studie „Potenzialanalyse Blockchain“ im Auftrag von Sopra Steria Consulting wurden im Juli und August 2017 204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen verschiedener Branchen befragt.

Quelle: Potenzialanalyse Blockchain September 2017, Sopra Steria Consulting