Es war ein Paukenschlag sondergleichen: Die zweitgrößte französische Bankengruppe BPCE hat 2016 die Fidor Gruppe übernommen. Was hat sich geändert? Wie geht’s weiter? Und: Ist das der Startschuss für eine Übernahmewelle bei Fintechs?

Matthias Kröner spricht spricht im Interview mit dem FintechInsider Klartext und sieht wenig Spielraum für Deals auf Fidor-Level: „In meinen Augen gibt es nicht viel nachhaltig substanzielles im Markt.“

matthias-kro%cc%88ner-communityHerr Kröner, was hat Sie zum Deal mit BPCE bewogen?

Eine Reihe von Punkten: Die mögliche volatile geld- und wirtschaftspolitische Zukunft für uns Banken in der Euro-Zone, die Mischung aus geringem Gesamtwachstum, Null- und Negativ-Zinsen, sowie einzelnen Staaten, die ihren Haushalt nach wie vor nicht in den Griff bekommen. Das alles lässt wenig Gutes für den Euro hoffen. Zusätzlich muss sich die EU nun auch noch mit dem Brexit beschäftigen. Alles in allem eine Zukunft mit vielen Fragezeichen.

Das bedeutet konkret für Sie?

Als Bank mit Sitz in München können wir uns diesem Umfeld nicht entziehen. Und: Als kleine Bank ist man in diesem Umfeld noch anfälliger. Die Aufsicht müsste dies mit erhöhten Risiko-Anforderungen beantworten, was wiederum, wegen dem vergleichbar geringen Kapital der Fidor-Bank, das mögliche Wachstum ersticken könnte. Allein auf der Meta-Ebene sprach deswegen vieles dafür, sich einen starken Partner zu suchen.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von der Partnerschaft?

Mit einem Hauptaktionär im Rücken können wir unser Wachstum realisieren, das bei einer Bank in der Regel sehr kapitalintensiv ist. Dies bedeutet auch, dass eine passende Aktionärsstruktur benötigt wird. Auch hier konnten wir uns dank dieser Transaktion maximal verbessern.

Worin sehen Sie die größten Vorteile der Transaktion für Ihr Unternehmen?

Dass wir uns künftig noch mehr auf das Wesentliche fokussieren können, zum Beispiel der Erstellung von kundenzentrierten digitalen Angeboten für den europäischen Markt. Und wir haben noch viele andere Ideen in der Schublade. Bereits jetzt erleben wir eine internationale Nachfrage nach der von uns selbst konzipierten fOS-Infrastruktur für das Online-Banking. Hier eröffnen sich uns ganz neue Dimensionen.

Wie wird die weitere Entwicklung Ihrer Banking-Plattform unter der neuen Unternehmensstruktur aussehen?

Die Entwicklung unserer fOS-Plattform für digitales Banking kostet Geld und muss dementsprechend finanziert sein. Die neue Unternehmensstruktur bietet uns dabei nur Vorteile, da sich beide Konzerne hervorragend ergänzen, es keinerlei Überschneidungen gibt und die Chemie zwischen den beiden Teams stimmt. Das gibt Grund zur Hoffnung, dass wir uns hinsichtlich der fOS-Plattform künftig noch stärker auf die Bereiche Innovation und Wachstum fokussieren können.

Was sind Ihre nächsten Aktivitäten, die sich dank der Übernahme realisieren lassen?

Wir planen für das nächste Jahr den Eintritt in weitere europäische Märkte, konkreter will ich an dieser Stelle nicht werden.

Ein Wort zum Technologie-Arm von Fidor: Wann wird dieser Bereich schwarze Zahlen schreiben?

Gemeinsam mit unseren französischen Partnern legen wir für die nächsten Jahre den Schwerpunkt auf Wachstum. Dies gilt für die Bank ebenso wie für unser Technologie-Team. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man damit einen Freibrief für unkontrollierte Verluste hätte.

Stellt der Kauf des Fintech-Pioniers Fidor durch BPCE jetzt die Initialzündung für den Beginn einer Übernahmewelle dar?

Na ja, für eine „Übernahme-Welle“ braucht es ja schon einiges. Vor allen Dingen braucht es Unternehmen, die übernommen werden können – denn Liquidität gibt es im Markt genug. So wie es aussieht ist die Transaktion der Fidor Bank die einzig wirklich relevante Transaktion im Fintech-Segment in Deutschland. In meinen Augen liegt es auch daran, dass es ansonsten nicht viel nachhaltig substanzielles im Markt gibt.

Haben Fintechs Ihrer Ansicht nach ohne einen „Großen“ im Rücken überhaupt eine Chance zu überleben?

Nun, da kann man die Fintechs in Summe nicht über einen Kamm scheren, da sie viel zu heterogen sind. Wer aus Regulierungsgründen höhere Kapitalanforderungen hat, wird jedoch einen großen Partner brauchen. Denn im Finanzsegment braucht man einen deutlich längeren Atem als beispielsweise im E-Commerce. Ein Umstand, dem beispielsweise bekannte „Internet-Kopier-Fabriken“ auch Tribut zollen mussten.

Erleben wir also derzeit eine Konsolidierung auf dem Fintech-Markt?

Es geht in diese Richtung. Fintechs werden Business-Modelle entwickeln müssen, die eine gewisse Income-Komponente aufweisen. Gegenwärtig kann man zwar auch für „Revenue-arme“ Konzepte noch Investorengeld finden. Dies wird sich aber sehr schnell und auch nachhaltig ändern, wenn man nach der „Fintech-Party“ am nächsten Morgen mit dem berühmten Kater aufwacht.

Vielen Dank für das Interview.