Das Undenkbare ist geschehen: Die Briten haben entschieden, dass Großbritannien die EU verlassen wird. Der Brexit ist Realität. Die Reaktionen der Menschen fallen höchst unterschiedlich aus – von Jubel bis zu tief sitzendem Schock.

Doch was bedeutet der Brexit für die junge europäische Fintech-Szene? Wird London als Fintech-Hub geschwächt, wird es gar einen Exodus der Fintechs geben? Oder umgekehrt: War das genau der „Turbo“, den die britische Metropole gebraucht hat und London startet als Fintech-Hauptstadt jetzt erst richtig durch?

Wir haben Stimmen aus der Fintech-Szene gesammelt. Eins haben sie alle gemeinsam: niemand jubelt über den Brexit….

„London wird zurückgeworfen“

Dr. Hansjörg Leichsenring vom Bank Blog exklusiv für den Fintech Insider:

„Bis zur Umsetzung des Brexit werden vermutlich mindestens zwei Jahre vergehen, insofern sind die unmittelbaren Auswirkungen gering. Perspektivisch gesehen wird London als führender Platz für FinTech-Startups zurückgeworfen und Kontinentaleuropa wird an Gewicht gewinnen. Schwieriger wird es für FinTechs, die von außen in UK Geschäfte machen wollen.“

„Der Standort Frankfurt wird wachsen“

Lars Reiner, CEO von Ginmon exklusiv für den Fintech Insider:

„Grundsätzlich bedauern wir ebenso wie der Rest Europas die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen. Für uns als Frankfurter FinTech bedeutet dies auf der anderen Seite jedoch auch eine große Chance. Frankfurt wird durch den Brexit zum Finanzzentrum der EU und damit weitreichend an Bedeutung gewinnen. Dies wird auch die lokale FinTech Szene zu spüren bekommen. Der Standort Frankfurt wird wachsen und einige FinTechs werden ebenso wie etablierte Banken über einen Umzug nach Frankfurt nachdenken. Diese nehmen wir als neue Nachbarn selbstverständlich gerne bei uns auf.“

„7 von 10 Fintechs könnten umziehen“

Zur gleichen Erkenntnis, dass London seine Fintechs verlieren könnte, kam bereits im März eine Reuters-Umfrage, in der 7 von 10 Fintechs angaben, dass sie bei einem Brexit umziehen könnten.

VC-Investoren stießen ins gleiche Horn und betonen im Bloomberg-Interview (vor den Abstimmungsergebnissen), dass sich Londons Stellung als Fintech-Hub verschlechtern wird.

„Berlin wird das neue Zentrum“

Valentin Stalf von Number26 via Twitter:

„Berlin will be the new start up center of Europe after

„Die nächste Generation von Startups wird weniger Vorteile haben“

Hiroki Takeuchi, CEO von GoCardless via Twitter:

Ganz so optimistisch wie GoCardless klingen andere britische Fintechs allerdings nicht. Transferwise und Azimo nannten den Brexit ein Desaster, noch bevor die Abstimmungsergebnisse bekannt waren.

„London wird seine Position als Fintech-Hauptstadt verlieren“

Taavet Hinrikus, CEO von Transferwise im Bloomberg-Interview (vor Abstimmungsergebnis):

„London wird seine Position als Fintech-Hauptstadt verlieren. London wäre auch nie so eine Tech-Stadt ohne die EU geworden.“

Das gesamte Interview können Sie sich hier ansehen.

„Brexit ist ein Desaster auf so vielen Ebenen“

Michael Kent, CEO von Azimo auf Medium (vor Abstimmungsergebnis):

Michael Kent betont, dass es sich um seine persönliche Meinung handelt und nicht zwingend um die von Azimo. Als Fintech-Experte hat seine Meinung trotzdem großes Gewicht.

„Die EU ist der größte Einzelmarkt der Welt. Mit dem Brexit könnten Fintechs den Zugang zu diesem Markt verlieren.“

„Der Brexit ist schlecht für die Fintech-Szene“

Eine Twitter-Umfrage des Fintech-Beratungsunternehmens IBS Intelligence kommt zu einem klaren Ergebnis: 70 Prozent sagen, dass der Brexit schlecht für die Fintech-Szene sei.

Gewiss ist die Umfrage nicht repräsentativ, ist aber in gewisser Weise symptomatisch für die aktuelle Stimmung unter Fintechs.