Eine PwC Studie hat gezeigt: Banken und Fintechs kooperieren immer häufiger. In Deutschland machen mittlerweile 70 Prozent aller Finanzdienstleister gemeinsame Sache mit Fintechs.

Der Anstieg an Kooperationen weltweit (von 32 Prozent auf 45 Prozent) zeigt, dass Banken und Fintechs einander brauchen. Die Banken brauchen schnelle Innovationen und Fintechs brauchen vor allem eins: Kunden. Sehr viele Newcomer mussten die traurige Erfahrung machen, dass es doch nicht so leicht ist, den traditionellen Banken Kunden abzujagen. Selbst wenn das Angebot vieler Fintechs moderner und günstiger ist, so sind die meisten Kunden einfach nur träge und wechselfaul – vor allem, wenn der Mehrwert nicht deutlich überwiegt.

An diesem fehlenden Mehrwert sind bereits zahlreiche Startups gescheitert. „Vor allem im Kreditgeschäft beim Point of Sale sind die traditionellen Banken gut aufgestellt. Da fehlt einfach der Bedarf. Viele Fintechs haben deshalb versucht, ein Problem zu lösen, das es gar nicht gibt“, sagt Niklas Lechner, CEO von Innolend, einem jungen Unternehmen, das sich auf Factoring für große Summen spezialisiert hat und somit im Geschäftskundensegment tätig ist. Innolend ist dabei nur eins von vielen Fintechs, das Geschäftskunden zum Ziel hat. Diesen Trend hin zu sogenannten B2B-Fintechs beobachten wir schon seit einiger Zeit – und dieser Trend hat mehrere Ursachen.

B2B-Fintechs verbessern Geschäftsprozesse

B2B-Fintechs lösen keine Luxusprobleme, sondern bieten Prozessoptimierungen für Banken, Unternehmen und Versicherungen an. Für diese Optimierungen sind Geschäftskunden gerne bereit zu zahlen – anders als Privatkunden, die von der Gratiskultur beim Banking verwöhnt sind. Beispiele solcher B2B-Fintechs sind unter anderem: Fastbill (Leichteres Rechnungswesen), Finnest (Online-Unternehmensfinanzierungen) oder Wirecard (Zahlungsdienstleister).

Dieser Trend bedeutet allerdings nicht, dass Fintechs im B2B-Bereich ein leichtes Spiel haben. „Egal ob B2B oder B2C – es werden sich die Fintechs durchsetzen, die die Bedürfnisse ihrer Kunden am besten bedienen“, sagt Joerg Bartussek, Co-CEO der Online-Finanzierungsplattform finnest, die sich auf Mittelständler konzentriert. Mittelständler seien im Gegenteil eher konservativ und schwer für Innovationen zu gewinnen. Doch wenn sich Geschäftskunden zu Neuerungen durchgerungen hätten, würden sie sie häufiger nutzen. „Ein Drittel der Mittelständler, die unsere Online-Finanzierung genutzt haben, kommen wieder für eine zweite Tranche“, so Bartussek.

Es fehlt häufig die kritische Masse

Ein weiterer Grund, warum Fintechs auf Geschäftskunden zielen, ist die kritische Masse – genauer gesagt das Fehlen derselben. Im Verbrauchergeschäft muss man als Fintech eine kritische Masse erreichen, um gewinnbringend zu wirtschaften. In der Wachstumsphase nimmt man häufig Verluste in Kauf, um diese kritische Masse anzusammeln. Erreicht man sie jedoch nicht, so funktioniert das Geschäftsmodell schlicht und einfach nicht. Sehr viele Fintechs sind an diesem Kriterium bereits gescheitert – das Modell war gut, doch es fehlte an ausreichend Kunden.

Im B2B-Bereich ist dies anders: Zwar ist es schwerer, einen Fuß in die Tür zu bekommen, doch muss man als Fintech auch nicht so viele Türen öffnen. Einige Fintechs leben von zwei bis drei Großkunden und können solide wirtschaften – während Fintechs mit tausenden von Privatkunden Verluste einfahren.

B2B-Fintechs sind die perfekten Übernahmeziele

Während B2B-Fintechs häufig als Dienstleister für Banken und Versicherer agieren, sind sie auch attraktive Übernahmeziele für die großen Player. So kaufte die Deutsche Börse das Fintech 360T und die französische Bank BPCE übernahm die Fidor Bank. Im Interview mit dem Fintech Insider wies Eric Leupold, Leiter der Deutsche-Börse-Abteilung Pre-IPO & Capital Markets, bereits darauf hin: „Fintechs werden häufig aufgekauft, bevor es zum Börsengang kommt.“ Vor allem B2B-Fintechs werden wohl in Zukunft deshalb die perfekten Übernahmeziele für Banken und Co. sein. Umfragen zufolge planen rund 30 Prozent der etablierten Player Fintechs in den nächsten 18 Monaten aufzukaufen.

Praktisch nur B2B-Fintechs an der Börse

Schaut man sich die Börsenstatistik an, so entsteht der Eindruck, dass nur B2B-Fintechs derzeit erfolgreich sind. Das berühmteste ist wohl Wirecard, einziges Fintech im TecDax und Börsenstar – die Aktie hat innerhalb der letzten 5 Jahre um fast 300 Prozent zugelegt. Weiterhin an der Frankfurter Börse zu finden ist Finlab, die UMT AG und die Fintech Group. Finlab ist ein Fintech-Company-Builder, die UMT ist ein White Label Anbieter für Mobile Payment und stellt unter anderem die Plattform für Payback Pay. Die Fintech Group ist der Mutterkonzern des Online-Brokers Flatex und hat mit Xcom und der biw Bank eine große B2B-Sparte. Damit sind praktisch keine B2C-Fintechs an der Börse. Warum? Laut einer Ernst & Young-Studie konzentrieren sich die Berliner Fintechs hauptsächlich auf B2C, während Fintechs aus Frankfurt und Umgebung eher auf B2B setzen. Das taugt als Erklärung allerdings wenig: Schließlich kommt Wirecard aus Aschheim bei München und die UMT sitzt direkt in München. Finlab und Fintech Group sitzen dagegen in Frankfurt.

Einige Fintechs wie auxmoney denken zwar schon laut über einen Börsengang nach und mit Ayondo geht bald ein deutsches Fintech an die Börse – wenn auch in Singapur. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass es B2C-Fintechs in Deutschland derzeit schwer haben. Hoffen wir für den Fintech-Standort Deutschland, dass der Eindruck täuscht, denn schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft.