Sie gelten als innovativ, schnelllebig und manchmal sogar disruptiv. Die Mitarbeit in einem Fintech klingt nach einer spannenden beruflichen Herausforderung. Doch wie gelingt der erfolgreiche Einstieg in die Fintech-Karriere?

Universitäten antworten auf diese Frage mit Studiengängen. An der Frankfurt School of Finance & Management wird eine Ausbildung im Bereich „Digital Innovation & Fintech“ angeboten. Und nun hat sich auch die Fidor Bank mit lokalen polytechnischen Universitäten in Singapur zusammengeschlossen.

Ob Studiengänge wirklich mit der Zeit mithalten und die nötige Motivation übermitteln können, ist fraglich. Fintech Insider hat drei erfolgreiche Fintech-Frauen gefragt, wie sie ihren Weg in die Branche gefunden haben und welche Tipps sie für einen gelungenen Einstieg haben.

Quereinsteiger sind willkommen

Anna Friedrich, Leiterin Kommunikation und Marketing bei collectAI

Anna Friedrich, Leiterin Kommunikation und Marketing bei collectAI

Anna Friedrich startete in der Finanzkommunikationsberatung. Im Anschluss wechselte sie zu einer Hamburger PR- und Social Media Agentur, die Technologie-Unternehmen betreut. „Ich war der Internetbranche immer nah und habe früh Erfolge und Misserfolge von digitalen Geschäftsmodellen miterlebt. Schließlich habe ich von der Beratung auf die „andere Seite“ gewechselt, Fintech schien mir vor 4 Jahren DIE Zukunft…“, sagt Friedrich. Mit dem Einstieg bei Kreditech, wo sie für die interne und externe Kommunikation sowie den Aufbau der B2B-Marke zuständig war, war der Einstieg in die Fintech-Branche perfekt. Vor einem halben Jahr hat sie die Leitung der Kommunikation und des Marketings bei collectAI übernommen.

Christine Kiefer ist in der Branche als Mentorin, Business Angel und Autorin aktiv

Christine Kiefer ist in der Branche als Mentorin, Business Angel und Autorin aktiv

Einen eher klassischen Weg beschritt Christine Kiefer. Mit ihrem Doppel-Diplom in Informatik und Betriebswirtschaftslehre hatte sie ideale Startbedingungen für eine Karriere in der Finanzwirtschaft geschaffen. Kiefer begann ihre Karriere im Investmentbanking bei Goldman Sachs in London und New York. Das Geschäftsfeld Fintech existierte damals noch nicht, auch nicht, als sie 2012 als Geschäftsführerin bei BillPay einstieg. „Damals drehte sich alles um das Thema Bezahlmethoden. Obwohl ich ein breites Wissen und viel Erfahrung im Finanzsektor hatte, musste ich viel Lernen über den Online-Handel“, sagt die Berlinerin. Seitdem ist Kiefer in der Fintech Szene tätig. Nach BillPay gründete sie mit Finleap ein digitales Inkassounternehmen und ist in der Branche als Mentorin, Business Angel und Autorin aktiv.

Birte Pampel ist als selbstständige Kommunikationsberaterin tätig

Birte Pampel ist als selbstständige Kommunikationsberaterin tätig

Die Münchenerin Birte Pampel ist seit 2009 als selbstständige Kommunikationsberaterin tätig. „Ursprünglich wollte ich für etablierte Banken arbeiten. Doch dann hat mich der Fintech-Markt mit seiner Innovationskraft und seinen enormen Gestaltungsräumen zunehmend fasziniert“, sagt Pampel. Nun kümmert sie sich projektbasiert um Kunden und bringt neue Impulse mit in die Unternehmen. Ihr neuste Herausforderung: Das Content Marketing und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der fintechweek in Hamburg.

Unterschiedliche Einstiege, unterschiedliche Schwerpunkte. Diese drei Frauen haben ihren Zugang zur Branche gefunden. Nun will Fintech Insider wissen, wie der Einstieg auch anderen gelingen kann.

Diese Qualifikationen sind gefragt

Alle drei sind sich einig: Das perfekte Karriere-Profil für einen Mitarbeiter im Fintech gibt es nicht.

Eine grundlegende und unabdingbare Eigenschaft jedoch ist Flexibilität. Denn die Arbeit im Fintech ist kein nine to five Job. „Der Mitarbeiter braucht Passion für Innovation und den Willen immer mitzudenken, sich einzubringen und so das Unternehmen voran zu bringen“, sagt Friedrich. Auch bei ihr war der Wille zur Innovation der stärkste Antriebsmotor für ihren Karriereweg.

Darüber hinaus sollte der Bewerber mit einen hohen Geschwindigkeit umgehen können. „Ständig werde neue Tools oder Prozesse entworfen, es gibt wenige Konstanten“, meint Pampel. Eine grundsätzliche Offe­­nheit sei deshalb unabdingbar.

Schließlich kommt es auf den bisherigen beruflichen Hintergrund an. Eine Eigenschaft, die man im Vergleich zum Bankgeschäft mitbringen sollte, ist die bereits erwähnte Anpassungsfähigkeit an die Firmenkultur. „Die Notwenigkeit viele Aufgaben gleichzeitig erledigen zu müssen, kann überfordernd sein und zu einem Kulturschock führen“, so Kiefer und fährt fort, „kommt man allerdings aus der Startup-Branche braucht man einen langen Atem. Durch Lizenzen und Richtlinien brauchen Entwicklungen länger als in einem Startup, in dem man mit einer guten Kampagne schnell Umsatz machen kann“.

Fähigkeiten, die nicht notwendig sind

Kandidaten müssen entweder BWL oder Informatik studiert haben oder vorher in einer Bank gearbeitet haben, um in einem Fintech arbeiten zu können.

Nein.

Ungeachtet der Stereotypen, meint Kiefer, seien Programmierkenntnisse keine Pflicht, ein grundsätzliches Verständnis von Finanzabläufen aber sehr hilfreich. Pampel ergänzt: „Gute Leute können sich schnell in neue Themen einarbeiten und müssen deshalb kein technisches Wissen mitbringen.“

Wer allerdings eine Führungsposition anstrebt, sollte ein gutes Verständnis und Kenntnisse in den Bereichen Tech und Business mitbringen.

Sichtbarkeit als Schlüsselfaktor

Obwohl manche Kandidaten und Kandidatinnen gute Qualifikationen mitbringen, bleiben sie im Hintergrund oder finden keine passende Einstiegsmöglichkeit. Netzwerke können dabei helfen. Sie bieten die Chance neue Kontakte zu knüpfen und sichtbar zu werden, für Personaler und für Gründer, die Unterstützung in ihrem Team suchen.

„Ich habe früher oft einen Anzug bei der Arbeit getragen, um aufzufallen“, sagt Friedrich. Wenn Frauen in die männerdominierten Branchen Finance und Tech treten, haben sie häufig noch stärker damit zu kämpfen, wahrgenommen zu werden.

Netzwerke, wie das der fintechladies, ermöglichen Vernetzung und fachlichen Austausch unter Frauen. Als Städtekoordinatorinnen leiten Friedrich, Kiefer und Pampel die Initiative, die vor gut eineinhalb Jahren von Kiefer gegründet wurde. „Frauen haben oft bessere Ideen für einander, wir unterstützen uns bei Projekten und helfen uns gegenseitig Positionen zu erreichen, die besser bezahlt werden“, sagt Pampel.

Just do it

Stammtische gibt es in Berlin, Hamburg und München – Frankfurt, Zürich und Wien sind geplant.

Der Blick auf die Netzwerktreffen der Ladies beweist, dass es vielfältige Einstiegsmöglichkeiten in die Fintech-Branche gibt: In Berlin setzte sich eine Metrologin an den Netzwerk-Tisch und in München gesellte sich eine Dame aus der Fashion-Industrie dazu.

Fintechs sind geeignet für Quereinsteiger, denn vieles kann „on the job“ gelernt werden. Wenn die Motivation stimmt gilt: probieren über studieren.