Umfrage: Ein Großteil der Deutschen kann mit dem Begriff „Fintech“ noch nichts anfangen

In den Vorstandsetagen der großen Banken wird immer hitziger über sie diskutiert: Fintechs. Die Finanzdienstleister des Online 2.0 werden immer stärker von etablierten Banken als Konkurrenz gesehen. Viele Geldhäuser kooperieren entweder mit den Fintechs oder sie bauen ihre eigenen Online-Angebote im Bereich der digitalen Finanzdienstleistungen aus.

Doch während die Banken anfangen die Fintechs wegen ihrer technologischen Vorteile ernst zu nehmen, kommt der Fintech-Boom bei den Kunden nur bedingt an. Eine exklusive Umfrage des Meinungsforschungsinstituts explorare im Auftrag der newskontor GmbH hat ergeben, dass Fintechs unter Ottonormalverbrauchern nach wie vor unbekannt sind. Befragt wurden 512 Bundesbürger, die einen Querschnitt der Deutschen darstellen. „Über 92 Prozent der Befragten gaben an, noch nie etwas von Fintechs gehört zu haben“, erklärt Michael Bertram, Gründer des explorare-Meinungsforschungsinstituts. „Vor allem bei Frauen und Menschen über 50 Jahren sind die digitalen Finanzdienstleister weitestgehend unbekannt.“Fintech Umfrage: Was verbinden sie mit dem Begriff Fintech

Mangelnde Technikkenntnisse sind nicht das Problem

So gaben 95,5 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer und 96,6 Prozent der über 50-Jährigen an, keine Kenntnisse über Fintechs zu haben. Rund 70 Prozent können mit dem Begriff „Fintech“ zudem nichts anfangen. Dementsprechend gering ist bislang auch die Nutzung von Fintech-Angeboten. 78,4 Prozent der Kenner gaben an die Angebote nicht wahrzunehmen. Vor allem bei Frauen finden die digitalen Finanzdienstleister mit gerade einmal 10 Prozent nur wenig Anklang.

 

Allerdings sind die Gründe für die Nichtnutzung der Fintech-Angebote andere, als die in den Medien oft erwähnten. Nur knapp 7 Prozent der Befragten machten mangelnde Technikkenntnisse dafür verantwortlich. Auch die Skepsis bezüglich der Datensicherheit spielt mit 24,1 Prozent nur bedingt eine Rolle. Selbst der persönliche Kontakt in Finanzfragen, auf den 31 Prozent der Befragten Wert legt, ist nicht entscheidend.

Fintech Umfrage: Warum nutzen Sie keine Fintech Angebote?Vermögensverwaltung und Versicherungen spielen keine Rolle – noch

Das Problem ist: Die Fintechs haben es bislang noch nicht geschafft den Mehrwert ihres Angebots richtig zu bewerben und zu kommunizieren. Über 62 Prozent der Befragten gaben daher an, dass sie mit ihren bisherigen Dienstleistern zufrieden seien. Die Umfrage liefert auch den Grund hierfür: Ein Großteil der Befragten konzentriert sich bei den digitalen Dienstleistungsangeboten vor allem auf das Online-Banking und Online-Shopping. Angebote im Bereich der Vermögensverwaltung und der Versicherungen hingegen – ebenfalls Steckenpferde der Fintechs – finden bislang weniger Anklang. So besitzen 55,7 Prozent ein Online-Konto und rund 95,3 Prozent kaufen in Online-Shops wie z.B. Amazon oder Zalando. Außerdem zeigt die Auswertung der Umfrage, dass das Online-Shopping und das Online-Banking von den Befragten auch künftig favorisiert werden. 35 beziehungsweise 34 Prozent wollen in diesen beiden Bereichen in Zukunft digitale Angebote nutzen. In den Bereichen Vermögensverwaltung und Versicherungen ist das Interesse dagegen indifferent.

Fintechs müssen die Vorteile ihres Angebots bewerben

„Genau hier liegt eine Chance für die Fintechs“, findet Marco Cabras, Geschäftsführer der newskontor GmbH. „Die Umfrage zeigt, dass die Befragten diesen Angeboten offen gegenüber stehen. Die Aufgabe der Fintechs wird daher sein, die Vorteile ihrer Angebote im Bereich der Vermögensverwaltung und der Versicherungen aktiver zu bewerben und auf diese Weise den Kunden näher zu bringen.“