Kopfschütteln.

Ich lese das neueste Bankenbarometer von Ernst & Young und beschwere mich lautstark. Die Ergebnisse der Umfrage sind vielleicht für einige unspektakulär, für mich sind sie ein Zeichen, dass etwas in der Bankenwelt falsch läuft.

Wo soll ich anfangen? Am besten bei der Priorität.

Auf die Frage „Welche Bedeutung haben derzeit folgende Themen für Ihr Institut?“ war die meistgenannte Antwort (91 Prozent gaben dem eine „hohe Bedeutung“):

*Trommelwirbel*

Das Risikomanagement.

Naja.

Ich verstehe natürlich, dass eine Bank viele Risiken hat und dass man mit dem eigenen Geld (und dem Geld der Kunden) nicht leichtsinnig umgehen sollte. Aber so viel Energie ins Risikomanagement zu stecken? Wurde vorher so viel falsch gemacht, dass man jetzt so viele Risiken bändigen muss?

Neue Produkte? Wozu?

Das wäre ja auch nicht weiter schlimm, wenn weiter unten in der Umfrage nicht der nächste Kracher wäre.

Frage: „Wie steht es um die Entwicklung/Einführung neuer Produkte?“

Die Antwort? Nur 24 Prozent der Banken messen dem eine hohe Bedeutung zu. 53 Prozent messen dem eine geringe Bedeutung zu und 23 Prozent finden das Thema absolut unwichtig.

Das zeigt: Die Banken ruhen sich auf ihren Dienstleistungen und Produkten aus. Und wir wissen ja: Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, der trägt sie eindeutig am falschen Ort.

Es ist als ob man einen Fußballverein gründen würde, nur um am Ende täglich den Rasen zu mähen. Zum Fußballspielen hat man keine Zeit. Tore schießen sowieso nicht – man muss ja noch die Tribüne fegen.

Dieses Bild zeigt sich bei den Banken: Risikomanagement an oberster Stelle, danach kommen „Kostensenkungen“. Als ob man eine Bank gründen würde, um dann Kosten zu senken. Ich dachte, eine Bank soll neue Finanzprodukte und Dienstleistungen entwerfen, sich weiterentwickeln, mit der Zeit gehen, das eigene Geld  und das Geld der Kunden vermehren. Oder habe ich etwas falsch verstanden?

„Fintechs sind unwichtig“

Ok, nehmen wir an, eine Bank hat wirklich keine Zeit, neue Produkte zu entwickeln. Dann kann die Bank ja auf junge Startups zurückgreifen, die den ganzen Tag nichts anderes machen als neue Produkte zu entwerfen. Diese Finanz-Startups nennt man auch Fintechs. Die hoch beschäftigten Banken könnten also mit Fintechs kooperieren oder sie einfach aufkaufen. So wie Google Motorola aufkaufte, um in das Smartphone-Geschäft einzusteigen (war finanziell nicht besonders lukrativ, brachte Google aber 15.000 Patente ein).

Aber nein, auch diese Gelegenheit nutzen die Banken wohl nicht. Nur 8 Prozent messen der Kooperation mit Fintechs eine „hohe Bedeutung“ zu. 8 Prozent? 39 Prozent finden das Thema eher weniger wichtig und ganze 53 Prozent messen dem gar keine Bedeutung zu.

Hmmm. Was ist denn aus den Lobgesängen geworden, dass Kooperation die Zukunft für beide Seiten ist? In der Praxis sind die Banken wohl eher doch noch mit sich selbst beschäftigt. Der Blick über den Tellerrand fehlt.

Wo bleiben die Tore?

Anstatt sich über steigende Kosten zu beschweren und die Gebühren zu erhöhen (ein Drittel aller Befragten hat oder wird die Gebühren für Girokonten in diesem Jahr anheben), sollte man sich neue Produkte einfallen lassen – ist es nicht das, was Unternehmertum ausmacht? Einfach weitermachen wie bisher und Leute entlassen (das ist es doch, was sich hinter „Kostensenkung“ verbrigt) ist keine besonders tolle Strategie. Der Fokus der Banken sollte auf der Entwicklung der Zukunft liegen und nicht in der Verwaltung der Vergangenheit.

Liebe Banken, das könnt ihr besser. Ihr wurdet nicht ins Leben gerufen, um den Rasen zu pflegen, sondern um Tore zu schießen.

Ich will Tore sehen – und weniger Rasenmäher.