Immer mehr Deutsche zieht es im hohen Alter ins Ausland. Dem kalten, deutschen Winter entfliehen und im Süden am Strand zu verweilen, ist der Wunsch vieler Rentner.

Doch so sorglos ist das Thema „Rente“ schon lange nicht. Die Kombination aus geburtenschwachen Jahrgängen und der immer älter werdenden Gesellschaft, sorgt dafür, dass sich die Menschen über die Höhe der gesetzlichen Altersvorsorge in Zukunft nicht mehr sicher sein können.

Experten empfehlen deshalb schon seit Jahren dem Ungleichgewicht, welches im deutschen Rentensystem durch den Generationenvertrag entstanden ist, mit einer privaten Altersvorsorge entgegenzuwirken. Dafür gibt es viele verschiedene Modelle – unter anderem die fondsgebundene Rentenversicherung. Produkte wie Riester- oder Rürup-Renten finden auch in der Fintech-Welt Platz. Ganz nach dem Prinzip: Die Altersvorsorge einfach und online gestalten.

Fintech Insider hat mit den zwei marktführenden „Renten-Fintechs“ in Deutschland gesprochen, die sich darauf spezialisiert haben, eine Altersvorsorge durch digitale Geldanlage anzubieten.

Rogier Minderhout, Gründer von myPension und Jens Jennissen, Geschäftsführer von fairr.de über Chancen und Risiken von Renten-Fintechs:

Fintech Insider: Renten und Fintechs – wie passt das zusammen?

Jennissen: „Vom Vertragsschluss bis hin zur Beitragsregelung lässt sich die komplette Altersvorsorge online managen. Dadurch senken Fintechs neben den Kosten auch die Hürde für Sparer, sich überhaupt mit dem Thema und dem Abschluss eines Altersvorsorgevertrages zu befassen. Zudem entfällt die Abhängigkeit vom Makler.“

Minderhout: „Durch eine schlanke Produktstruktur und Online-Vertrieb können Fintechs dem Endkunden Produkte sehr viel günstiger und verständlicher anbieten als etablierte Banken oder Versicherer. Bei Fragen hat der Kunde natürlich noch immer die Möglichkeit telefonische Unterstützung zu erhalten.“

Fintech Insider: Bei der Altersvorsorge geht es vor allem um Vertrauen und Sicherheit. Wieso sollten Interessenten einem digitalen Ansatz wie Ihrem vertrauen?

Minderhout: „Bis zur Verrentung hat der Kunde direkt Zugriff auf sein Guthaben, auch im Falle einer Insolvenz. Das ist sicherer als bei einer klassischen Rentenversicherung, wo man immer ein Risiko auf der Bilanz des Anbieters eingeht. Und bei einem Anlagehorizont ab 12 Jahren ist myPension sowohl aus Kosten-, als auch aus Renditesicht etablierten Versicherern überlegen.“

Jennissen: „Das Vertrauen in Banken und Versicherungen ist auf einem Tiefpunkt. Die Mehrzahl vertraut keinem der typischen Marktteilnehmer, sondern nur noch sich selbst. Wir gewinnen das Vertrauen von Sparern unabhängig vom Alter über maximale Transparenz und ein Gebührenmodell mit den richtigen Anreizen. Mit Hilfe unserer Online-Rechner können sich Interessenten selbst überzeugen und unseren Sparplan mit anderen Produkten vergleichen. Durch die Kombination aus günstigem ETF-Sparplan und der staatlichen Förderung kommt am Ende schlicht am meisten heraus. Zudem sind die Fonds als Sondervermögen im Eigentum des Sparers und unabhängig vom Anbieter.“

Fintech Insider: Bieten Sie einen Hinterbliebenenschutz an?

Jennissen: „Ein Hinterbliebenenschutz kann auf Wunsch für all unsere Produkte vereinbart werden. Dabei haben Kunden die Wahl zwischen einer 10-jährigen Rentengarantiezeit oder einer Restkapitalabfindung.“

Minderhout: „Wenn der Versicherte in der Ansparzeit verstirbt, erhalten seine Hinterbliebenen das vorhandene Guthaben inkl. Renditen ausgezahlt. Für die Rentenzeit hat der Versicherte die Wahl zwischen einer 10-jährigen Rentengarantiezeit, einer Restkapitalabfindung oder keiner Todesfallleistung.“

Fintech Insider: Welche Chancen haben Fintechs, gerade junge Leute für die Altersvorsorge zu gewinnen?

Jennissen: „Fintechs holen junge Leute da ab, wo sie sich selbstverständlich bewegen: online. Hier gibt es keine lästigen Termine oder Öffnungszeiten, kein Papierkram, kein Verkaufsdruck. Das Vertrauen gewinnen wir über eine transparente und verständliche Darstellung unserer Vorteile gegenüber herkömmlichen Anbietern sowie ausgezeichneten Service. Wer uns erstmal gefunden hat, ist schnell überzeugt.“

Minderhout: „Wenn ein junger Mensch sieht, dass man bei einem frühen Beginn auch schon mit relativ geringen Beiträgen ein ansehnliches Vermögen erreichen kann, motiviert dies natürlich. Wenn er bei uns im Alter von 20 Jahren monatlich nur 50€ anspart, hat er mit 67 Jahren ein voraussichtliches Guthaben von etwa 112.000€. Wenn er erst mit 35 Jahren beginnt, muss er um auf diesen Wert zu kommen bereits 118€ monatlich anlegen. Das ist mehr als das Doppelte. Je früher man anfängt, desto niedriger kann der monatliche Beitrag sein.“

Fintech Insider: Und wie sehen die Risiken der Fintech-Altersvorsorge gegenüber der klassischen Riester-Rente aus?

Minderhout: „Bei einem klassischen Riestervertrag hat man eine Beitragsgarantie auf die Beiträge nach Kosten, sowie einen aktuellen Garantiezins in Höhe von 0,9%. Demgegenüber steht bei myPension eine historische Rendite von über 6% p.a., jedoch ohne Beitragsgarantie. Das Risiko eines kurzfristigen Einbruchs am Aktienmarkt besteht natürlich, aufgrund der langfristigen Laufzeit wird dies jedoch stark abgefedert.“

Jennissen: „Wer auf Fintechs bei der Altersvorsorge setzt, hat keinerlei Risiken gegenüber etablierten Anbietern zu befürchten. Im Bereich der geförderten Altersvorsorge muss jedes Produkt durch das Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert werden. Neue Angebote müssen sich am Markt dennoch immer erstmal beweisen und auch turbulente Börsenzeiten überstehen. Gegenüber Produkten, die keine Riesterförderung bieten, dient die Riesterzulage als kostenloser Renditeturbo, der bei gleichen Kosten einen unschlagbaren Vorteil bietet.“

Fintech Insider: Welchen Herausforderungen begegnen Sie?

Jennissen: „Geförderte Altersvorsorgeverträge sind naturgemäß komplex. Die größte Herausforderung besteht darin, Kunden den Durchblick zu verschaffen ohne sie ständig mit zu vielen Details zu überfordern. Unser Ziel ist es, über unser Renten-Cockpit das Thema Altersvorsorge soweit zu vereinfachen, dass auch unerfahrene Sparer ihre Rente über alle Säulen hinweg optimieren können und motiviert werden mit Aktien langfristig ein Vermögen aufzubauen.“

Minderhout: „Es gibt immer Dinge zu verbessern. Sei es bei der Wahl der Anlagestrategie oder bei der Optimierung von Prozessen. Außerdem sind wir gerne bereit, ein ethisch nachhaltiges Anlageportfolio anzubieten, sollte die Nachfrage weiter steigen.“

Fintech Insider: Wie kann die Rolle von Fintechs bei der Altersvorsorge ausgeweitet werden?

Minderhout: „Fintechs richten sich momentan hauptsächlich auf die private Altersvorsorge, die sogenannte dritte Säule. Durch das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz wird die betriebliche Altersvorsorge, die sogenannte zweite Säule gestärkt. Da ist sicherlich Platz für einen digitalen Anbieter, der sich durch schlanke Prozesse und niedrige Kosten unterscheidet.“

Jennissen: „Fintechs dürfen sich unter keinen Umständen als beliebiger Vertriebskanal einspannen lassen, die klassische Produkte nur hübscher aussehen lassen. Die Rolle von Fintechs im Bereich der Altersvorsorge wird nur dann weiterwachsen, wenn bei der Produktentwicklung das Kundeninteresse kompromisslos im Zentrum steht. Wir sind davon überzeugt, dass in Zukunft jeder selbstbestimmt für das Alter vorsorgen wird und leistungsschwache Produkte keine Chance mehr haben werden.“

Fintech Insider: Welche Auswirkungen könnte Ihr Produkt für das System der Rentenversicherung bewirken?

Jennissen: „Die von vielen Seiten geforderte zentrale Renten-Informationsstelle durch den Staat wird leider noch einige Jahre auf sich warten lassen. Das fairr.de-Cockpit werden wir bereits Anfang 2018 auch für Interessierten zugänglich machen, die noch keinen Sparplan bei uns abgeschlossen haben. Damit schaffen wir für Sparer erstmalig neben dem Überblick auch die Möglichkeit alle Säulen der Altersvorsorge über ein zentrales Portal optimieren zu können.“

Minderhout: „Für die Altersvorsorge ist die Anlage in Aktien unausweichlich. Diese Erkenntnis hat sich viel zu spät durchgesetzt. Dadurch sind de­­n Versicherten erhebliche Renditen entgangen. Durch eine verbesserte Anlage lässt sich die Rentenlücke mit weniger Aufwand schließen. In anderen Ländern ist man da viel weiter vorangeschritten als in Deutschland.“

Vielen Dank für das Gespräch.