Neugründungen, Pleiten, Fusionen – 2017 hat sich viel in der Fintech-Welt bewegt. Und eins ist klar: Schon 2017 haben viele Fintechs und Banken erkannt, dass sich durch Partnerschaften Innovationen am besten hervorbringen lassen.

Doch was wird die Zukunft bringen? Wie wird sich das Verhältnis zwischen Banken und Fintechs verändern? Wie werden sich neue Rahmenbedingungen wie PSD II oder MiFiD II auswirken? Und welcher Bereich der Fintechs wird 2018 besonders hervorstechen?

Fintech Insider hat drei Experten gefragt, was 2018 bringen wird. Alle drei sind darüber hinaus Botschafter der Fintech Week Hamburg, die ein Forum für Experten, Gründer, Fintechs und Banken bietet. Die Szene trifft sich dort vom 6. bis 12. November zum Netzwerken und Erfahrungsaustausch.

 

„Was 2018 wieder enttäuschen dürfte, wird das Thema Mobile Payment sein.“

Tobias Baumgarten - Fintech Jahr 2018 Ausblick

Tobias Baumgarten, Hamburger Sparkasse, Bereich Digitaler Vertrieb Strategie & Analytik

Für 2018 erwarte ich eine Konsolidierungsphase der Fintechszene. Auf vielen Feldern sehen wir eine große Anzahl an Fintechs, die es nicht auf eine kritische Masse an Kunden bringen und deshalb ihr Heil in Übernahmen durch andere Fintechs oder Banken suchen werden – oder ganz aufgeben. Bei den Einlagenvermittlern sehen wir diese Tendenzen bereits jetzt, in 2018 erwarte ich Ähnliches für das Immobilien-Crowdinvesting, wo ich Platz für maximal zwei bis drei Anbieter sehe, und für die Robo Adviser. Zudem erwarte ich ein weiteres Zusammenrücken von Banken und Fintechs – sei es durch Übernahmen oder Kooperationen. Wer sich als Fintech nicht wie N26 zum Vollsortimenter weiterentwickelt, wird sich zum Technologielieferanten (Stichwort: White-Label) wandeln. Das eigene, unabhängige Angebot wird dann zum Proof-of-Concept, nicht zum Business Case.

Ich sehe Platz für höchstens zwei oder drei Anbieter. Klick um zu Tweeten

Die sich weiterhin ändernden Rahmenbedingungen wie z.B. PSD II oder MiFiD II werden dabei eine treibende Rolle einnehmen, die zu einer noch stärkeren Professionalisierung der Szene führt. Haben Fintechs bisher primär Delevoper und UX-Designer gesucht, werden nun Regulatorik-Spezialisten beste Jobaussichten haben. Kein Fintech wird mehr Geld in Finanzierungsrunden erhalten, wenn es nicht nachweisen kann, dass es die Regulatorik in seinem Feld zu 100% im Griff hat. Das wird auch deshalb nötig, weil sich mittlerweile auch die Aufseher sortiert haben und deutlich strenger auf die Fintechs schauen. Wer als Fintech heute noch in einer Regulierungsnische im Graubereich arbeitet, könnte daher eher kurz- als mittelfristig Probleme bekommen.

Die meiste Dynamik dürfte auch in 2018 weiterhin im Bereich rund um Blockchain und Kryptowährungen liegen. Einerseits weil Regierungen und Zentralbanken das Thema für sich entdeckt haben und in die eine oder andere Richtung eingreifen. Zum anderen, weil der Wettbewerb um die Währung für „Blockchain 3.0“ in vollem Gange ist. Hier wird es zudem spannend sein zu sehen, ob es wirklich die eine globale Kryptowährung geben wird – „one size fits all“ klappt ja noch nicht mal in der Euro-Zone.

Was auch in 2018 wieder enttäuschen dürfte, wird das Thema Mobile Payment sein. Die Hoffnung auf den Big Bang haben aber mittlerweile auch fast alle Experten aufgegeben. Es wird sich niemand mehr trauen, wieder einmal das „Jahr des Mobile Payments“ auszurufen. Selbst wenn sich Apple mit ApplePay endlich einmal auch nach Deutschland bequemen sollte, wird das sich mobile Bezahlen wohl nur sehr langsam durchsetzen – jedenfalls solange, wie es keinen echten Mehrwert dabei gibt.

 

„Wir werden nicht mehr so zahlreiche neue Player sehen.“

Susanne Krehl – Fintech Jahr 2018 Ausblick

Susanne Krehl, Managing Director Austria & Switzerland, Cash Payment Solutions GmbH

Ich gehe davon aus, dass sich Banken und Fintechs weiter annähern werden. Wir sehen ja schon jetzt, dass das Konkurrenzdenken immer mehr schwindet und große Banken und Sparkassen neue Ideen zulassen und annehmen, um Schwung in ihre klassischen Strukturen zu bringen und neue Services bieten zu können. Die wachsende Akzeptanz der Banken unterstützt nun die Konsolidierung in der Branche. Die besten Modelle werden sich durchsetzen und wir werden nicht mehr so zahlreiche neue Player sehen, die sich auf dem Markt versuchen wollen.

Tiefgreifende Veränderungen sind zunächst immer mit Aufwand verbunden. Jedes Mal müssen Geschäftsmodelle erneut auf den Prüfstand gestellt und eventuell an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Das kann, wie die Vergangenheit zeigt, Fintechs teilweise zur Aufgabe zwingen. Aber Änderungen haben immer mehrere Seiten: Die PSD II stellt beispielsweise zurecht hohe Anforderungen an den Verbraucherschutz, fördert aber gleichzeitig auch Innovationen und öffnet neuen Ideen bisher verschlossene Türen. Wie sich die neuen Rahmenbedingungen auf die Szene auswirken werden ist also schwer zu sagen – das ist zu sehr von einzelnen Geschäftsmodellen und Strukturen abhängig.

RegTech ist ein spannendes Feld, gerade vor dem Hintergrund zunehmender Regulierung wie Automatisierung. Auch InsurTechs stehen vor einer spannenden Reise. Allerdings wird sich in naher Zukunft wohl Robo-Advise am meisten verändern.

Die Zukunft für Robo-Advise wird sich am meisten verändern. Klick um zu Tweeten

Nicht so sehr die Unternehmen, sondern die Geschäfts- und Kooperationsmodelle, die sich weiter in Richtung einer verbesserten Customer Experience entwickeln. Eine Versicherung wird abgeschlossen in der Hoffnung, dass man sie nie braucht. RegTechs sind vor allem für Unternehmen interessant. Aber eine Geldanlage will vom Kunden regelmäßig überwacht und optimiert werden. Der erste Schritt ist getan: Die Techniken sind bekannt und das Vertrauen der Nutzer in künstliche Intelligenz und Algorithmen wächst. Aber um aus der Masse der digitalen Berater herauszustechen und sich im harten Kampf um die Gunst der Anleger durchzusetzen, müssen neue Wege gegangen und innovative Services integriert werden.

 

„Künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie werden etablierte Fintech-Bereiche ebenso wie die jüngeren erneut durcheinanderwirbeln.“

Hartmut Gießen – Fintech Jahr 2018 Ausblick

Hartmut Giesen, Sutor Bank

Zunächst hatten wir die Konstellation Fintechs gegen Banken, zurzeit sehen wir vorwiegend die Konstellation Fintechs kooperieren mit Banken. Im kommenden Jahr werden wir verstärkt zwei neuere Beziehungskonstellationen sehen: Fintechs werden zu Banken oder anderweitig regulierten Unternehmen, z. B. Vermögensverwalter, Zahlungsdienstleister, Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdienste. Digitale Nicht-Banken-Unternehmen werden zunehmend Finanzdienstleistungen anbieten und dafür mit Fintechs und Banken, zum Teil auch mit beiden gleichzeitig, zusammenarbeiten, Kontext-Banking ist hier das Stichwort.

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Alle neuen Rahmenbedingungen treiben die Digitalisierung weiter voran (was auch sonst): Digitalisierung wird vermutlich eines der Kernthemen der künftigen Bundesregierung sein, die PSD2 eröffnet Fintechs neue Geschäftschancen, Banking-Funktionen anzubieten und die Mifid2 zwingt z. B. Vermögensverwalter und andere Anlage-Unternehmen, ihre Prozesse zu digitalisieren, um ihren Informationspflichten gegenüber Kunden und Behörden nachkommen zu können. Die Mifid2 ist wahrscheinlich einer der größten Wachstumstreiber des Robo-Advising. Die Dokumentationspflichten in der Finanzberatung lassen kostendeckende Services unterhalb höherer Vermögensgrenzen nur noch in digitaler Form zu.

PSD2 eröffnet Fintechs neue Geschäftschancen. Klick um zu Tweeten

Es gibt zwei Querschnittstechnologien, die Fintech – hier durchaus auch im technischen Sinne gemeint – verändern werden. Künstliche Intelligenz (hier vor allem maschinelles Lernen) und die verschiedenen Ausprägungen der Blockchain-Technologie. Sie werden auch die schon etablierteren Fintech-Bereiche ebenso wie die jüngeren, etwa RechTech oder Insurtech, erneut durcheinanderwirbeln bzw. ihre Weiterentwicklung beeinflussen. Jedes neue Fintech-Geschäftsmodell muss heute die Frage beantworten, ob es in einer KI- und Blockchain-basierenden Wettbewerbsarena Bestand hat.