Die Meisten kennen ihn nur unter seinem digitalen Spitznamen: Junolyst. Ein Name, der häufig in den Foren von Wallstreet Online auftaucht und vielen Tradern mittlerweile ein Begriff ist. Hinter diesem Synonym steckt Lukas Spang, ein erfolgreicher Social Trader auf wikifolio.com*. Wir haben mit ihm über seinen Werdegang, klassisches Assetmanagement und die Zukunft des Investierens gesprochen.

1) Herr Spang, wie sind sie zum Social Trading, speziell zu wikifolio gekommen?

Eigentlich durch Zufall. In meinem damaligen Praktikum bei der GBC AG ging es darum, welche Möglichkeiten es neben einem Fonds heutzutage gibt – und dabei wurde auch der Name wikifolio genannt. Aus Neugier eröffnete ich dort einen Trader-Account. Eine „echte“ Geldanlage wurde es im Laufe des Jahres 2015, als mein investiertes Kapital deutlich angestiegen war. Seitdem gestalte ich es professioneller und stecke auch deutlich mehr Zeit hinein.

2) Wie würden Sie das Konzept von Social Trading ihrer Großmutter erklären?

(Spang schmunzelt) Das habe ich tatsächlich bereits versucht. Da meine Großmutter eine Banklehre gemacht hat, konnte sie es einigermaßen nachvollziehen. Es ähnelt stark dem Crowd Funding. Jemand hat eine Idee, möchte dafür Geld und bietet eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals an.

Beim Social Trading ist diese Idee meine Anlagestrategie, in die andere investieren können. Die Investoren partizipieren dann an der entsprechenden Wertentwicklung. Bei wikifolio funktioniert dies durch ein Musterportfolio, dass dann durch Lang & Schwarz als Zertifikat emittiert wird und anschließend über die Börse für Investoren über eine Wertpapierkennnummer jederzeit handelbar ist.

Lukas Spang - Junolyst

Lukas „Junolyst“ Spang: „Eine offene Strategie wird heutzutage immer wichtiger.“

3) Was sind die Vorteile für Trader beim Social Trading? Ist es nicht nachteilig, die eigene Strategie zu „verraten“?

Die eigene Strategie zu verraten, ist grundsätzlich nichts schlechtes. Wenn ich nämlich recht habe, dann bin ich der erste, der kauft. Alle nach mir würden dann zu höheren Kursen kaufen.

Das Entscheidende ist aber, dass sich durch die Offenlegung der Strategie Investoren bewusst dafür oder dagegen entscheiden können.  Eine offene Strategie, wie es im Übrigen beispielsweise auch Dirk Müller in seinem Fonds umsetzt, wird heutzutage immer wichtiger, da zahlreiche Menschen in Deutschland bereits viel negative Erfahrungen am Aktienmarkt gemacht haben und die Skepsis generell sehr hoch ist. Der Investor muss also – wie überall auch – wissen was er kauft.

4) Was ist der Vorteil für Anleger gegenüber klassischen Aktienfonds?

Der Vorteil beginnt bei der Kostenstruktur und endet bei der Transparenz. In meinem Fall zahlt der Investor lediglich einen Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) von rund 1,0% – je nach Tageszeit etwas mehr oder weniger. Bei klassischen Aktienfonds liegt der Aufschlag regelmäßig bei 4% – oder noch höher. Diesen Aufschlag muss der Fonds erst einmal verdienen, damit der Investor gerade mal bei Null ist.

Social Trading ist günstiger und transparenter als ein klassischer Aktienfonds. Click to Tweet

Dazu kommt, dass ich im wikifolio deutlich flexibler agieren kann als klassische Fondsmanager. Hinzu kommt, dass durch die Plattform eine bisher nie dagewesene Transparenz geboten wird, da der Investor laufend das derzeitige Portfolio sowie aktuelle Veränderungen einsehen kann. Des Weiteren kann der wikifolio-Trader die Investoren über die Kommentarfunktion über aktuelle Themen bzw. Veränderungen informieren, um dem Investor eine höchstmögliche Nahvollziehbarkeit zu bieten.

5) Mittlerweile haben Investoren mehr als 2 Millionen Euro in ihre zwei wikifolios investiert. Wie haben Sie es geschafft, so viele Anhänger ihrer Strategie zu finden?

Das war ein langer und steiniger Weg. Noch bis Ende 2016 hatte ich gerade einmal 500.000 Euro in beiden wikifolios. Doch es hat sich bezahlt gemacht, dass ich stets meiner Strategie, dem Fokus auf Nebenwerte bzw. Small Caps treu geblieben bin und zudem eine sehr genaue Unternehmensbewertung der im Portfolio enthaltenen Aktien vornehme. Praktische Erfahrungen die ich im Aktienresearch gesammelt habe, kommen mir hier zu gute.

Ich suche nach Aktien, die mittel- und langfristig hohes Potenzial haben und trade daher nur sehr wenig. Hierzu besuche ich regelmäßig Investorenkonferenzen, telefoniere mit Unternehmensvorständen, tausche mich mit anderen Marktteilnehmern aus, bewerte den Großteil der von mir gehaltenen Unternehmen durch eigene Schätzungen und erarbeite mir dadurch stets eine eigene Meinung auf Basis eines umfangreichen Informationsspektrums. Hierdurch habe ich mir in den letzten Jahren ein breites Wissen bei Nebenwerten aufgebaut, wodurch ich insgesamt sehr profitiere.

Zudem versuche ich meine Investoren bestmöglich mit Informationen zu versorgen. Dazu habe ich seit Jahresanfang eine eigene Homepage (www.junolyst.de) aufgebaut, auf der ich die wichtigsten Informationen über meine wikifolios sowie Einzelwerte aus den Portfolios zur Verfügung stelle. Durch eine Newsletter-Funktion hat der Investor auch die Möglichkeit über die wichtigsten Veränderungen stets auf dem Laufenden zu bleiben.

So veröffentliche ich für das kleinere wikifolio „Top Pics of the Year“ wöchentlich ein kurzes Update mit den wichtigsten Entwicklungen, sowohl bezogen auf das gesamte Portfolio als auch auf die Einzelwerte und damit einhergehend Unternehmensmeldungen. Für mein größeres wikifolio „Chancen suchen und finden“ veröffentliche ich monatlich ein Update mit den wichtigsten Entwicklungen. Diese hohe Informationsdichte ist auch mein Alleinstellungsmerkmal.

Letztlich kommt mir in den letzten Monaten aber auch die sehr gute Performance zu Gute, die somit Resultat der intensiven Arbeit ist. Das wird offensichtlich von den Investoren erkannt und auch entsprechend honoriert. Dafür kann ich mich an dieser Stelle bei allen Investoren für das entgegengebrachte Vertrauen nur bedanken.

6) Wie sehen Sie die Zukunft von Social Trading? Könnte es zur Konkurrenz von klassischem Asset Management werden?

Das ist es bereits. Allerdings sind Plattformen wie wikifolio nach wie vor zu unbekannt. Selbst viele aus der Finanzbranche kennen das Konzept noch gar nicht.

Ein „K.O. Argument“ klassischer Fondsvertreter war damals immer das Emittentenrisiko. wikifolio hat hier allerdings einen wichtigen Schritt gemacht und die Zertifikate weitgehend abgesichert, womit dieses Risiko deutlich reduziert wurde.

Für Social Trading spricht auch die Performance. Viele Social Trader haben gezeigt, dass sie den Markt schlagen können und damit im Vergleich zu Fonds deutlich besser abschneiden. Mit Blick auf das aktuell niedrige Zinsniveau und die vergleichsweise hohen Gebühren im klassischen Asset Management wird dies meines Erachtens ein immer größer werdender Vorteil.

7) Mit so vielen „Followern“ hat ihre Stimme Gewicht. Auf Neudeutsch würde man Sie als „Influencer“ bezeichnen. Wie gehen Sie mit so viel Verantwortung um?

Ich bin auch nur ein Mensch und kann deshalb auch falsch liegen. Natürlich bin ich stets bestrebt, die besten Investments zu entdecken, dennoch ist es für Investoren an der Börse wichtig, stets auch seine eigene Meinung zu haben – vor allem, wenn es um Einzelwerte geht. Man sollte nie Empfehlungen blind folgen. Ich versuche immer fundamental zu argumentieren und herauszustellen, warum einzelne Aktien aus meiner Sicht Potenzial haben oder nicht.

Insgesamt habe ich mit aktuell rund 2 Millionen Euro investiertem Kapital zwar bereits eine stattliche Summe in meinen wikifolios, aber als echten „Influencer“ wie es beispielsweise Börsenzeitschriften wie DerAktionaer oder Börse Online, würde ich mich allerdings nicht bezeichnen.

8) Können Sie von ihren wikifolios leben?

Mit 2 Millionen Euro investiertem Kapital ist das angelegte Volumen noch zu gering, um davon leben zu können. Das Volumen müsste mindestens im zweistelligen Millionenbereich sein, um davon einigermaßen leben zu können, da es auf wikifolio keine Managementgebühr gibt. Es soll wikifolio Trader geben, die das Hauptberuflich betreiben, aber für mich bleibt es vorerst ein netter Nebenverdienst.

Vielen Dank für das Interview!