Ohne Frage: Berlin ist Deutschlands Startup-Hauptstadt Nr.1. Doch wie lange noch? Könnte Berlin in Zukunft seine Krone als Startup-Königin an München oder Frankfurt verlieren?

Dieser Frage ist Joblift, eine Metasuchmaschine für Stellenanzeigen, für den Fintech Insider nachgegangen und hat einen „Startup-Radar“ erstellt. Dieser zeigt, in welcher Stadt die meisten Jobs von Startups ausgeschrieben werden und kommt vor allem bezüglich der Wachstumsraten zu einem überraschenden Ergebnis.

Die Auswertung der Metasuchmaschine ergab, dass 45 Prozent aller Startup-Stellenanzeigen aus der Hauptstadt stammen. Da deutschlandweit 6.061 Jobs von Startups ausgeschrieben werden, kommen rund 2.727 Stellenangebote von Berliner Jungunternehmen. Die Metasuchmaschine Joblift hat dabei nur „echte“ Startups berücksichtigt und Unternehmen, die mit „Startup-Spirit“ werben, bewusst ausgeklammert. Zwölf Prozent der Jobangebote kommen von Startups aus München, sechs Prozent aus Hamburg, vier Prozent aus Frankfurt am Main und drei Prozent aus Düsseldorf.

Startup Stellenanzeigen

Quelle: Joblift

Berlin liegt damit unangefochten vorne, was laut Lukas Erlebach, dem Geschäftsführer der Joblift GmbH, einen entscheidenden Vorteil mit sich bringt: „Man kann sich hier viel leichter innerhalb der Startupszene vernetzen und der Pool qualifizierter – vor allem internationaler – Talente ist größer.“ Sein Startup habe deshalb auch bewusst jeweils ein Büro in Hamburg und Berlin eröffnet, um Synergien und Netzwerkeffekte zu nutzen. „Für Berlin ist es außerdem die Chance, sich gegen internationale Startup-Hochburgen wie das Silicon Valley zu behaupten“, fügt Erlebach hinzu.

Berlin: Die einzige Stadt mit negativem Vorzeichen

Allerdings nicht, wenn die deutsche Hochburg vorher von einer anderen deutschen Stadt eingenommen wird.

Schaut man auf den Trend der Stellenanzeigen, so landet Berlin überraschend auf dem letzten Platz der sechs untersuchten Städte. In der Hauptstadt hat die Zahl der Jobangebote in den letzten zwölf Monaten um 1,14 Prozent abgenommen (Juli 2015 bis Juli 2016). Berlin ist damit der einzige Startup-Hub, bei dem die Startup-Stellenanzeigen rückläufig sind. In Hamburg sind 1,7 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben worden, in Düsseldorf ist es ein Plus von 3,3 Prozent.

Startup Stellenanzeigen Tabelle

Quelle: Joblift

Noch dynamischer ist der Markt in München, Frankfurt und Köln. In München wurden in den letzten zwölf Monaten 4 Prozent mehr Stellen angeboten, in Frankfurt 4,2 Prozent und in Köln ist der Startup-Jobmarkt um satte 7,2 Prozent gewachsen. Dass Frankfurt immer mehr Startups anzieht, liegt auch am boomenden Fintech-Markt. In Frankfurt sitzen beispielsweise die Fintechs Clark (15 offene Stellen), Savedroid (7 offene Stellen) und Ginmon (6 offene Stellen).

Einen Trend der Dezentralisierung beobachtet auch Thomas Promny, Startup-Experte und Internetunternehmer aus Hamburg: „Nicht alle qualifizierten Nachwuchskräfte wollen in Berlin wohnen, sondern haben ganz unterschiedliche Vorstellungen. Das ist letztlich heute der entscheidende Faktor – einen Standort zu haben, den die potenziellen Top-Mitarbeiter attraktiv finden. Das ist bei Berlin sicher für viele der Fall, aber auch Köln, München und Hamburg sind sehr attraktive Städte.“

Dezentralisierung in Minischritten?

Doch bis der Trend der Dezentralisierung messbare Ergebnisse zeigt, dürfte es noch dauern. Zurzeit gibt es in Berlin das Vierfache an Startup-Jobs im Vergleich zum zweitplatzierten München. Sollte Berlins Stellenmarkt jedes Jahr weiter um ein Prozent nachgeben und Münchens weiter um 4 Prozent wachsen, dann läge das Verhältnis in 13 Jahren immer noch bei zwei zu eins. Bei diesem Tempo müsste sich Berlin keine Sorgen um seine Vormachtstellung machen, sollte aber auch nicht vergessen: Wer sich auf seiner Krone ausruht, trägt sie eindeutig am falschen Körperteil.