Bargeld kann man leider nicht einfach ins CD-Laufwerk des Computers stecken – sonst würde es der Deutsche wohl tun.

Obwohl Deutsche mittlerweile täglich online shoppen, hängen sie noch stark am Bargeld. (Siehe hier: Übersicht des bargeldlosen Zahlungsverkehrs)

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum es für deutsche Gründer bisher immer ein Problem war, online Zahlungen zu empfangen.

Kleine Unternehmen können sich maßgeschneiderte Softwarelösungen oft nicht leisten. Man muss immer auf Drittanbieter zurückgreifen. Diese sind dann aber entweder teuer oder umständlich – oder beides (Einige Zahlungsabwickler verlangen vom Unternehmer bis zu 8 Prozent des Kaufpreises).

Dann kam Paypal und veränderte die Online-Zahlungswelt für immer. Paypal ist zwar die zweitgrößte Zahlungsmethode in Deutschland (Siehe Studie für den Bundestag) stößt aber in Deutschland auch an seine Grenzen, weil die Zahlung auf Rechnung immer noch die beliebteste Methode ist. Hinter Paypal kommen dann die Lastschrift und die Kreditkarte. Zwar kann man diese Methoden auch bei Paypal nutzen, doch dafür braucht man einen Paypal-Account, den viele Deutsche nicht erstellen wollen.

So sind die Deutschen eben. Misstrauisch.

Damit Online-Händler trotzdem ihr Geld bekommen, gibt es Stripe, wo Verbraucher eben kein Benutzerkonto brauchen. Das US-Fintech startete als Zahlungsanbieter für Startups, wickelt aber mittlerweile auch Zahlungen für US-Giganten wie Facebook und Twitter ab.

Im Juni 2017 ist das mehr als neun Milliarden schwere Fintech Stripe nun auch offiziell in Deutschland gestartet.

Wir haben mit Felix Huber, Head of Northern Europe bei Stripe, über den Deutschland-Start gesprochen und was am deutschen Markt so besonders ist:

1) Stripe gilt als neuer Stern am Himmel der Payment-Anbieter. Was macht Stripe so besonders?

Stripe ist mehr als nur ein Payment-Anbieter – wir wollen Infrastruktur für jeden bauen, der ein Online-Unternehmen führt. Das fängt bei der Abwicklung von Online-Zahlungen an, hört dort aber noch lange nicht auf.

Darüber hinaus haben wir Software-Lösungen zur Betrugserkennung und Analyse sowie für den Aufbau von Plattformen und Marktplätzen im Angebot – und mit Stripe Atlas bieten wir einen kompletten Baukasten für die Unternehmensgründung.

Felix Huber Stripe

Felix Huber, Head of Northern Europe bei Stripe: „Wir verstehen uns als Anbieter für jeden, der im Internet Geld verdienen möchte.“

2) Wie will sich Stripe gegen die Konkurrenz durchsetzen? (Paypal, Wirecard, traditionelle Banken)

Natürlich gibt es schon seit langer Zeit andere Unternehmen, die sich mit dem Thema Payments auseinander setzen. Interessanterweise war es trotzdem bis vor wenigen Jahren noch sehr schwierig, diese Hürde zu nehmen und überhaupt Zahlungen online verarbeiten zu können.

Wir wollen Komplexität reduzieren und es Entwicklern wirklich einfach machen – über eine einzige, sehr gut dokumentierte API, die sich in Minuten integrieren lässt, ohne zusätzlichen Papierkram oder Compliance-Prozesse, mit nur einem einzigen Vertrag.

3) Inwiefern ist der deutsche Markt anders als zum Beispiel in den USA? Wie trägt dem Stripe Rechnung?

Die Zahlungskultur ist je nach Land sehr unterschiedlich: In den USA wird im Internet meist mit Kreditkarte bezahlt, in Deutschland sind Dienste wie SOFORT oder SEPA-Lastschrift beliebter. In den Niederlanden wiederum läuft das meiste über iDEAL, was seinerseits in Deutschland völlig unbekannt ist.

Das macht es so schwierig, ein internationales Online-Unternehmen überhaupt erst aufzubauen. Über unsere API kann man die wichtigsten Zahlungsmethoden ohne großen Aufwand abdecken.

4) Wie viel Wachstum verspricht sich Stripe vom deutschen Markt? Wie wichtig ist Deutschland für Stripe?

Deutschland ist der größte Markt Europas, natürlich ist das Land wichtig für uns. Gerade weil Deutschland aber eine sehr eigene Zahlungskultur hat, war es uns wichtig, unsere Produkte für den Launch ausgiebig zu lokalisieren. Nach einer längeren Preview-Phase haben wir Stripe im Juni nun offiziell gelauncht und machen auch den hiesigen Entwicklern die Arbeit leichter.

5) Stripe bietet extra für Deutschland auch Überweisungen an, weil dies eine beliebte Zahlungsmethode ist. Wie werden die Überweisungen abgewickelt? Direkt über Stripe oder über eine Partnerbank?

Wir bieten zum einen SOFORT Überweisung als Zahlungsmethode an – die Abwicklung erfolgt also über SOFORT und die Bank des Kunden. Zum anderen unterstützen wir Giropay.

6) Bisher hat sich Stripe als Anbieter für Startups und kleine Unternehmen positioniert. Plant Stripe auch mal große Konzerne zu versorgen?

Wir verstehen uns als Anbieter für jeden, der im Internet Geld verdienen möchte – das ist nicht auf Startups beschränkt. Hunderttausende von Unternehmen wickeln bereits ihre Zahlungen über Stripe ab, und dazu gehören auch jetzt schon Großunternehmen wie Facebook, SAP und Adidas.

7) Welche Länder stehen als nächstes auf der Expansions-Liste?

Kürzlich haben wir den Startschuss für Stripe in Neuseeland gegeben, das ist der jüngste Zuwachs.

8) Der Wert von Stripe wird auf mehrere Milliarden geschätzt. Wie steht es eigentlich um den Börsengang von Stripe?

Es hat viele Vorteile, ein privates Unternehmen zu sein – und wir haben keine Pläne, das in absehbarer Zeit zu ändern.

Vielen Dank für das Gespräch.