Eine Henne legt 13 bis 15 Eier im Abstand weniger Tage und brütet diese dann aus – mit einer Erfolgsquote von gut 100 %. Startups zu gründen ist etwas komplizierter – und die Erfolgsquote liegt bei weitem nicht bei 100 %.

Um das Ausbrüten von Startups zu erleichtern, entstehen in Deutschland deshalb immer mehr „Neste“ für die jungen Unternehmen. Diese sogenannten Hubs (aus dem Englischen: „Knotenpunkt“) versammeln Startups, Investoren und Partner an einem Ort – und bilden so das optimale Ökosystem für den Reifeprozess von Geschäftsideen.

Anfang des Jahres wurde in Frankfurt ein neues Nestchen eröffnet: das TechQuartier. Mehr als 50 Prozent aller Startups in diesem Hub sind Fintechs, die großen deutschen Banken sind als Partner an Bord.

Wir haben mit Thomas Funke, dem Co-Direktor des TechQuartiers, über Frankfurt als Fintech- und Startup-Hub gesprochen – und welche Pläne er für die Bankenstadt hat.

Herr Funke, nehmen wir an, ich habe ein Startup im Fintech-Bereich und suche in Frankfurt nach einem Zuhause für mein Unternehmen. Warum sollte ich das Techquartier wählen und nicht andere Anbieter wie den Maincubator?

Wir stehen nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten. Wir sehen uns als neutrale Anlaufstelle mit einer großen Auswahl an Partnern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft – sowohl im Fintech-Segment wie auch in anderen Startup-Branchen. Wir haben bereits 13 Partner im Haus – und gerade am Anfang sind Kontakte mit potenziellen Kunden und Partnern extrem wichtig.

Außerdem bieten wir unseren Startups eine Menge Platz: Ab Herbst wird das Techquartier mehr als 4000 Quadratmeter Büroflächen anbieten.

Kann man da auch in Ruhe arbeiten und nicht nur netzwerken?

Es gibt einen sogenannten „Open Space“, eine Art Großraumbüro und es gibt auch „Private Offices“, wo man ungestört und hinter verschlossener Tür arbeiten kann.

Nehmen Sie nur Fintechs auf?

Thomas Funke - TechQuartier

Dr. Thomas Funke, Co-Direktor des TechQuartier

Über 50 % unserer Startups sind Fintechs. Aber wir sind ein Hub für alle Startup-Branchen. Natürlich haben wir traditionell als Frankfurter einen starken Fokus auf Finanzen, zumal wir auch die großen Finanzinstitute wie Deutsche Bank, Commerzbank und Deutsche Börse als Partner haben.

Doch wir beherbergen auch E-Commerce und Cleantech-Startups. Wir sind kein reiner Fintech-Hub, sondern ein Startup-Hub.

Welche namhaften Fintechs machen im Techquartier mit?

MyPension, Mobilehead, Debitos, Tradeshift oder Web ID Solutions haben ihren Sitz im Techquartier. So ist Web ID zum Beispiel für seine Video-Identifikation bei Onlineregistrierungen bekannt. Mit dieser Technologie kann man ein Konto eröffnen, ohne aus dem Haus zu gehen.

Weiterhin ist noch Vaamo – der digitale Vermögensverwalter – Community Mitglied.

Was kostet der Spaß, wenn ich als Startup vom Techquartier profitieren will?

Wir haben feste Mietpreise und nehmen – anders als andere Anbieter – keine Anteile von den Unternehmen. Im Open Office beginnen die Preise ab 240 Euro pro Monat. Ein Private Office kostet ab 350 Euro pro Monat.

Wer kein Büro braucht, kann auch einfach Community-Mitglied werden und trotzdem von der Gemeinschaft und dem Austausch profitieren. Außerdem gibt es exklusive Events nur für Community-Mitglieder. Solch ein Community-Pass kostet 50 Euro pro Monat.

Viele Fintechs und Startups haben die gleiche Zielgruppe. Hat da niemand Angst vor Ideenklau?

Bisher sind alle Mitglieder sehr offen und tauschen sich gerne aus. Angst vor Ideenklau habe ich bisher noch nicht erlebt.

Sie kooperieren mit der israelischen Startup-Szene. Wie ist es dazu gekommen und was versprechen Sie sich davon?

Die Kooperation kam über die Goethe Universität zustande. Beim sogenannten HiPA-Programm arbeiten 20 Talente aus beiden Ländern and so genannten Innovation Challenges. So vernetzt sich die Szene nicht nur mit unternehmerischen Menschen aus anderen Kulturen, sondern lernt auch fachlich sehr viel dazu.

Sind schon Startups aus der Kooperation entstanden?

Das Programm feierte in diesem Jahr Premiere und ist daher noch recht jung. Startups sind noch keine entstanden, aber schon einige Projekte und Jobangebote.

Sehen Sie sich als Konkurrenten zu Startup-Hubs in Berlin? Ist Berlin ein Konkurrent für Frankfurt?

Wir sehen uns nicht als Konkurrenten zu unseren Berliner Kollegen. Vielmehr sehen wir einen internationalen Konkurrenzkampf zwischen Deutschland und anderen Startup-Hochburgen. Hier wollen wir natürlich, dass Deutschland nach vorne kommt.

Hat ihnen der Brexit dabei geholfen?

Wir hatten ein paar Anfragen von Startups aus London, aber es wird noch dauern, bis sich die Auswirkungen des Brexits zeigen. Es ist ein mittelfristiger Weg.

Was sind ihre Ziele für das Techquartier?

Unser Ziel ist, Frankfurt zum internationalen Player im Startup-Segment zu machen. Alle kennen Frankfurt als Bankenstadt – wir wollen daraus auch eine Startup-Stadt machen.

Unsere Vision ist, dass Frankfurt in 10 Jahren unter die Top 20 Startup-Städte des Global Startup Ecosystem Rankings kommt. Dazu bräuchten wir allerdings das dreifache Volumen an Startups im Vergleich zu jetzt.

Ein großer Teilerfolg war es schon, dass Frankfurt erstmals im Global Startup Ecosystem Ranking als eine von weltweit 55 Städten analysiert wurde.

Vielen Dank für das Gespräch.