Wenn ich heute ein Fintech gründen würde…

300g                 gute Idee
500g                 technisches Know-How
500g                 qualifiziertes Team
400g                 gute Beziehungen
350g                 risikobereite Investoren
1 große Prise   Glück

Das könnte das Rezept für ein erfolgreiches Fintech sein. Wenn es nur so einfach wäre. Klar, es kommt auf die perfekte Mischung einiger Zutaten an, doch hängt der Erfolg eines Fintech-Start-ups von noch viel mehr ab.

Was für die Gründung eines Fintechs wichtig ist und mit welchen Hürden, aber auch Hilfen Gründer rechnen können, verraten uns drei Experten:

 

„Das Umfeld ist entscheidend“

Eric Leupold, Leiter des Deutsche Börse Venture Networks und des FinTech Hubs der Deutschen Börse

„Frankfurt zählt zu den wichtigsten Finanzplätzen Europas und bietet Fintechs beste Chancen: Die Nähe zu internationalen Geschäftsbanken, Zentralbanken und Regulatoren, ebenso sitzt die Deutsche Börse vor Ort – das ist eine einzigartige Community. Doch wer in Frankfurt lebt, der weiß: Die Mieten sind hoch, der Platz begrenzt, flexible Mietverträge rar. Gerade für Start-ups sind diese Rahmenbedingungen aber entscheidend, denn anfangs kann noch niemand abschätzen, ob sich eine Geschäftsidee wirklich realisieren lässt oder ob zu den Gründern in kürzester Zeit 20 Mitarbeiter hinzukommen.

Fakt ist: Das Umfeld ist entscheidend. Im Fintech Hub der Deutschen Börse im Frankfurter Szeneviertel Bornheim profitieren Start-ups seit April von 60 Arbeitsplätzen im Gebäude einer ehemaligen Arzneimittel-Fabrik – vier davon in eigenen Büros, weitere im flexibel buchbaren Co-Working-Space. Meetingräume, Lounge und Kaffeebar bieten zusätzlich Raum zum kreativen Arbeiten, direkten Austausch und für Events. Für Start-ups ist der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten bei Fragen zum Aufbau eines Unternehmens und zur Finanzierung extrem hilfreich. Zudem beraten auch die Experten des Deutsche Börse Venture Networks die jungen Unternehmen vor Ort und vermitteln Kontakte. Durch diese experimentelle Atmosphäre entsteht letztlich auch ein produktiver Wettbewerb.

Wir hatten deutlich mehr Anfragen für unseren FinTech Hub als wir hätten bedienen können. Daher ist die Initiative des Hessischen Wirtschaftsministeriums, das in Frankfurt ein eigenes Fintech-Zentrum aufbaut, richtig und wichtig, um Frankfurt als Anlaufstelle für Fintechs zu etablieren. Denn privatwirtschaftliche Initiativen werden nicht reichen: Ein Ökosystem für junge und Wachstumsunternehmen lässt sich nur aufbauen, wenn Politik und Industrie gemeinsam an Lösungen arbeiten – genau so, wie es in Frankfurt der Fall ist.

Unser Fazit nach drei Monaten: Das Konzept der Deutschen Börse geht auf. Mit Savedroid hat das erste Start-up aus unserem FinTech Hub bereits eine Seed-Finanzierungsrunde von einer Million Euro abgeschlossen.“

„Wenn man eine Aufgabe gut erledigt, kann man sich auch loben – und gelobt werden“

Christine Kiefer, Gründerin und Geschäftsführerin von Pair Finance

gibt fünf Tipps für Frauen in der Fintech-Branche:

Technical Skills

Fintech ist eine Branche, in der Männer durch die technisch ausgerichtete Komponente immer noch in der Überzahl sind. Wer in dieser Branche tätig sein will, muss sich Wissen in den relevanten Bereichen wie Tech, Legal, Finance und Banking aneignen, ob Männerdomäne oder nicht. Zum einen kann man dann viel besser einschätzen, wie komplex bestimmte Projekte sind oder wie lange gewisse Prozesse dauern, zum anderen kann man das eigene Business viel besser vorantreiben, wenn man nicht ständig auf Berater angewiesen ist.

Kompetenz statt Quote

Die immer wiederkehrende Diskussion über Frauenquoten erweist sich oft als Bärendienst. Statt mehr Anerkennung müssen Frauen durch die Quotendiskussion oft das Vorurteil entkräften, es nur durch eine Regelung in eine führende Position geschafft zu haben. Was hilft? Durch eigene Kompetenz zeigen, dass keine Quote, sondern das eigene Talent beim Karrieresprung ausschlaggebend war.

Offensiv mit Erfolg umgehen

Wenn man eine Aufgabe gut erledigt hat, kann man sich auch loben – und gelobt werden. Das Klischee, dass Frauen dazu neigen, ihre Arbeitserfolge herunterzuspielen, ist leider noch allzu oft Realität. Dabei sollte man gerade Erfolge nicht verstecken, sondern ruhig offen kommunizieren – ohne falsche Bescheidenheit.

Ein starkes Team

Ein guter Gründer ist nichts ohne ein gutes Team. Teamwork, Zusammenhalt, Respekt und Loyalität werden bei Pair Finance nicht nur groß geschrieben, sondern gelebt. Als Geschäftsführerin ist mir außerdem wichtig, dass unser Team möglichst divers aufgestellt ist, damit sich Stärken und Schwächen der einzelnen Team Mitglieder gut ergänzen. Jeder Mensch hat eine andere Denkweise, und je vielseitiger das Team, desto innovativer wird das Produkt. Man selbst neigt dazu, Leute einzustellen, die einem ähnlich sind, aber jede/r mit Führungsverantwortung sollte darauf achten, dass er sein Team möglichst “bunt” zusammenstellt.

Kontakte, Kontakte, Kontakte

Ein starkes Netzwerk ist nicht nur wichtig für Frauen, sondern für jeden in der Branche. Es fungiert als Quelle für Ratschläge,  als Wegweiser, als Sprungbrett. Besonders hilfreich ist es, seine Kontakte aktiv zu nutzen: Wer kennt wen und wer kann einen vorstellen? Gemeinsame, regelmäßige Treffen in lockerer Atmosphäre helfen dabei, sich nicht aus den Augen zu verlieren und auf dem neuesten Stand zu bleiben. Aus diesem Grund habe ich die Initiative “Fintech Ladies” ins Leben gerufen, ein Netzwerk für Frauen in Fintech.“

„Schlank gründen und Auslagern als Königsweg“

Christine Funk, LL.M., Rechtsanwältin bei P+P Pöllath + Partners für Venture Capital, Herausgeberin von FinTech Law

„Die Gründung eines Start-ups stellt eine große Herausforderung dar. Denn die Spielregeln sind mannigfaltig. Gründer werden gleich zu Beginn mit Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Vertriebsrecht und den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung konfrontiert. FinTech-Gründer müssen sich darüber hinaus auch mit Regulatorik beschäftigen, und das noch vor dem Start.

Wer nicht schon beim Design des Geschäftsmodells regulatorische Anforderungen berücksichtigt, riskiert viel Zeit auf ein Modell zu verschwenden, das aufgrund seiner regulatorischen Anforderungen für ein Start-up so nicht zu bewältigen ist. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eine Finanzdienstleistung angeboten werden soll, für die eine Banklizenz notwendig ist. Das heißt nicht, dass derartige Geschäftsmodelle zu verwerfen sind, das heißt vielmehr, dass das Geschäftsmodell nochmal grundsätzlich überdacht und geschickt so zu entwerfen ist, dass das Start-up keine Banklizenz benötigt.

Ebenso wie man als Gründer etwa die Buchführung und die Erstellung von Steuererklärungen an Dritte auslagern kann, besteht die Möglichkeit die eigentliche Finanzdienstleistung geschickt so durch einen Dritten erledigen zu lassen, dass das Start-up selbst keiner Erlaubnis der Finanzaufsicht bedarf. Diese helfenden Dritten sind Banken, die den Start-ups im Hintergrund ihre Dienste als sog. White-Label-Lösung anbieten. Das Miteinander zeigt, dass es in der Praxis weniger disruptiv als kooperativ zwischen Banken und FinTechs zugeht. Damit bestätigt sich zugleich die These von Prof. Günter Faltin, Gründer der Teekampagne, dass schlank gründen und Auslagern der Königsweg für Start-ups ist. Das gilt auch für FinTechs.“