Liebe kennt kein Alter: Diesem Sprichwort folgen immer mehr alteingesessene Unternehmen in der Wirtschaft und verbünden sind mit Startups.

Das Heizungsunternehmen Viessmann hat es 2015 vorgemacht. Mit einem Venture Capital Arm und einem Company Builder sollen jedes Jahr vier Startups marktreif gemacht werden. Das Ziel sind digitale Produkte mit Nähe zum Kerngeschäft.

Eine Hand wäscht die andere: Die Alten bringen Infrastruktur, Büroräume, IT-Unterstützung und Marketingdienstleistungen mit. Doch ihr wichtigstes Asset – Kunden. Daran mangelt es meist den jungen Wilden. Weiterhin bieten etablierte Unternehmen auch ein großes Netzwerk, das so manchem Startup schon den ein oder anderen Investor beschert hat.

Die Jungen haben dafür die Innovationen, schnelle Produktentwicklungen und Ideen außerhalb der angestammten Denkmuster. Wenn Sie den Markt revolutionieren, dann wird der „große Bruder“ am Erfolg beteiligt. Eine Win-Win-Situation.

Wir wollten es genau wissen und haben das Traditionsunternehmen Miele nach seinen Startup-Projekten gefragt.

Miele startet Venture Capital

Im März gründete Miele einen betriebseigenen Venture Capital. Der Hausgeräte-Anbieter möchte damit Projekte zur Zusammenarbeit mit vielversprechenden Startups bündeln.

Peter Hübinger, Leiter des Geschäftsbereiches „Smart Home“ der Miele Gruppe, hat uns die Hintergründe erzählt.

„Startups können bei uns wichtige Impulse aus dem industriellen Umfeld mitnehmen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren“, sagt Hübinger. Dabei gebe es zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten wie beispielsweise Entwicklungsprojekte, Organisationssupport sowie Unterstützung beim Markt- und Kundenzugang.

„Miele ist ein starker, kompetenter, fairer und verlässlicher Partner, der sich auf vielfältige Weise einbringen kann“, führt er fort.

Beide Kulturen müssen aufeinander zugehen

Mit dem Mehrgenerationenprojekt prallen zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander, doch Hübinger beunruhigt das nicht: „Beide Seiten wissen um die Stärken des jeweils anderen, und in der Unterschiedlichkeit liegt auch ein Reiz. Davon abgesehen, gibt es auch bei Miele eine ganze Reihe junger und kreativer Querdenker, in den digitalen wie auch in den „analogen“ Bereichen.“ Miele sei zudem darin geübt neue Ideen zu integrieren, da sie in der Vergangenheit eng mit Hochschulen zusammengearbeitet haben.

Die Herausforderung liege darin, eine gute Idee so zu integrieren, dass sie den marktüblichen Standards entspreche. „Dazu braucht es Phasen einer sorgfältigen Entwicklungsarbeit. Man muss wohl sagen, dass beide Kulturen etwas aufeinander zugehen müssen, um Erfolg zu haben“, so der Geschäftsleiter.

„Wer nur auf der „grünen Wiese“ und losgelöst von allen Zwängen agiert, scheitert auch mit tollen Ideen an mangelnder Adaptionsfähigkeit in Unternehmen“                                                          Peter Hübinger, Leiter des Geschäftsbereiches „Smart Home“ 

Das Interesse der Alten für die Jungen ist für Hübinger eine natürliche Entwicklung. „Startups sind eine wichtige Quelle für Ideen und Kreativität „out of the Box“. Finanzstarke Unternehmen mit eher traditionellen Kernkompetenzen und Startups können sich hervorragend ergänzen und wechselseitig voneinander profitieren“, sagt er.

Traditionelle Unternehmen profitieren neben des „neuen Denkens“ vor allem von einem Geschwindigkeitseffekt. Dass der digitale Wandel besonders davon betroffen sei, liege an der tiefgreifenden Veränderung von Geschäftsmodellen, Wertschöpfungsketten und ganzen Märkten.

Beteiligung an weiteren Venture-Capital Fonds

Mindestens eine langfristige Kooperation möchte Miele jedes Jahr eingehen und diese Idee bis zur Marktreife begleiten. Die Beteiligung an jungen Unternehmen sei eine strategische Investition. „Soweit es zu einer echten Kapitalbeteiligung kommt, startet Miele prinzipiell mit einer Minderheitsbeteiligung.“ Alles Weitere sei offen, eine langfristige Zusammenarbeit jedoch wünschenswert.

Neben ihrem eigenen Tochterunternehmen beteiligt sich Miele an weiteren Venture-Capital Fonds, die unterschiedliche Schwerpunkte und Services bieten. „Keiner entwickelt heute in einem Unternehmen ein komplettes Produkt- und Serviceportfolio. Deshalb sind gute Partnerschaften eine Bereicherung“, sagt Hübinger. „Es wäre schlichtweg dumm, zu glauben, dass wir auf der Venture-Capital-Seite nur mit unseren eigenen Suchfeldern den Markt nach Talenten komplett erfassen könnten. Auch hier liegt der Erfolg in Partnerschaften.“