„Banking is necassary. Banks are not.“

– Bill Gates

So langsam wird der Spruch von Bill Gates wahr – jedenfalls im Internet. Zahlungen im Internet werden mittlerweile von vielen Anbietern abgewickelt – aber kaum von Banken. Und von deutschen Banken sowieso nicht. Das Zahlungsspiel wird von den Zahlungsanbietern (Payment Service Provider) beherrscht. Deutsche Anbieter hinken der internationalen Konkurrenz hinterher.

Letzter großer Deal: Das niederländische Adyen wickelt in Zukunft die Zahlungen für Ebay ab und löst damit Paypal als Zahlungswickler ab. Ebay möchte nicht nur unabhängiger von Paypal werden, sondern im Payment Markt auch selbst mitmischen und Mittelsmann sein – und es damit Amazon gleich machen, die ihren eigenen Zahlungsdienst haben (Amazon Payments).

Zahlungsabwickler, sogenannte Payment Service Provider (PSP), sind die Goldesel der Finanzbranche. Sie sind diejenigen, die Banking ermöglichen, ohne eine klassische Bank zu sein – so wie es Gates „prophezeite“. Das Geschäft ist lukrativ und PSPs verdienen sich am bargeldlosen Zahlungsverkehr eine goldene Nase, während mit klassischen Bankdienstleistungen nur noch schwer Geld verdient werden kann – immer mehr Konten sind komplett digital und damit kostenlos.

Der Trend ist eindeutig: Menschen kaufen immer öfter – auch kleine Dinge – im Internet. Und bei jeder Transaktion verdienen die Zahlungsanbieter mit.

Wie viel sie verdienen? Das zeigt allein das Beispiel Paypal, bei dem man als Standard 1,9 Prozent (+35 Cent) an Gebühren zahlt. Bei Mikrozahlungen sind es sogar wahnsinnige 10 Prozent (+10 Cent). Diese Gebühren bekommen Verbraucher in der Regel nicht zu Gesicht, weil sie der Unternehmer trägt.

Wie groß das Zahlungsdienstleister-Geschäft ist, zeigen folgende Zahlen:

Zahlungsdienstleister Paypal stemmt 451 Milliarden Dollar

Paypal hat eine Marktkapitalisierung von rund 76 Milliarden Euro – und ist damit an der Börse weit mehr wert als die Deutsche Bank (27,5 Milliarden Euro) und die Commerzbank (16 Milliarden Euro) zusammen (Stand Februar 2018).

Wenn man sich die Gewinne und Umsätze anschaut, dann ist das kein Wunder: Paypal hat 2016 1,4 Milliarden Dollar Gewinn nach Steuern gemacht. Die Deutsche Bank hingegen hat 2016 einen Verlust von 1,4 Milliarden nach Steuern eingefahren. Das erinnert stark an den Spruch: „Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anders.“

Paypal hat im Jahr 2017 insgesamt 451 Milliarden Dollar an Zahlungsvolumen gestemmt.

Alipay: Der unsichtbare Gigant

Hierzulande kaum bekannt und doch deutlich größer als Paypal: Alipay. Der chinesische Zahlungsdienstleister ist eine Alibaba-Tochter und hat im Jahr 2016 1,7 Billionen Dollar an Zahlungen abgewickelt.

Drei Mal so viel wie Paypal.

Mit mehr als 520 Millionen Nutzern weltweit ist Alipay die größte Payment Plattform der Welt und hat mehr als 50 % Marktanteil im Online-Geschäft.

Deutsche Zahlungsdienstleister sind dagegen kleine Fische

Zum Vergleich:

2015 wickelte Concardis – einer der führenden deutschen Zahlungsabwickler – 360 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtumsatz von 38,3 Milliarden Euro ab. Das sind nicht einmal 10 Prozent von Paypals Zahlungsvolumen.

Der größte Widersacher für die ausländische Konkurrenz scheint Wirecard zu sein. Mit einem Börsenwert von 11,1 Milliarden Euro nähert es sich der Deutschen Bank an. 2016 hat Wirecard 266 Millionen Euro Gewinn nach Steuern gemacht. An der Börse läuft die Aktie der Wirecard AG wie die Feuerwehr und hat sich innerhalb des letzten Jahres verdoppelt. Mit mehr als 24.000 Shops zählt Wirecard zu den größten Providern für Payment Services weltweit. 2016 betrug das Transaktionsvolumen rund 62 Milliarden Dollar.

Amazon, Stripe und Co. drängen in den deutschen Markt

Und die Konkurrenz wird immer größer: Im Sommer eröffnete Stripe seine Eroberung auf den deutschen Markt. Das amerikanische Unternehmen will vor allem mit technischen Vorteilen, nämlich einer sehr gut dokumentieren API, überzeugen und sich so einen Vorsprung vor den Mitbewerbern verschaffen. Stripe kooperiert bereits mit vielen großen Unternehmen wie Facebook, Unicef, Pinterest oder dem deutschen SAP.

Wäre das noch nicht genug, so mischen auch jetzt die ganz großen Tech-Giganten mit: Amazon Pay ist praktisch das Konkurrenzprodukt zu Stripe und Paypal-Plus. Mit Amazon Pay können Online Shops und Unternehmen online Zahlungen empfangen. Die Kunden loggen sich dann einfach mit ihrem Amazon-Account ein und zahlen über die Amazon-Plattform. Angesichts des hohen Vertrauens, das Amazon im Online-Shopping besitzt, ein sehr kluger Schachzug von Jeff Bezos. So kann der Online-Händler, die gesamte Wertschöpfungskette – einschließlich Zahlung – ausschöpfen.

Paydirekt geht unter – wenn auch nicht kampflos

Unter den Zahlungsdienstleistern sieht man auch in Deutschland immer mehr ausländische Namen: Adyen, Klarna, Stripe. Die Frage ist nur, wo sind die deutschen Anbieter?

Das gemeinschaftliche Online-Bezahlsystem paydirekt, das 2015 online ging und von deutschen Banken initiiert ist, ist sozusagen die Antwort auf diesen Trend. Mit Paydirekt wollen die deutschen Banken ein Stück vom Payment-Kuchen haben. Mit rund 1,7 Millionen Kunden im Jahr 2017 bleibt die Initiative allerdings eher der kleine Bruder als ein wahrer Konkurrent.

Zum Transaktionsvolumen wird bei Paydirekt noch geschwiegen, was nichts Gutes heißen kann.

Immerhin – die Banken sind nicht kampflos untergegangen.

 

Weitere Infos:

Eine Übersicht von Payment Service Providern gibt es bei https://www.kreditkarte.net/b2b/pos-point-of-sale/zahlungsdienstleister/